I?o Jacobiner
fraszöfischen Nation hervor; er vereinigte mit sich Alles,was politischer Fanatisnms Schreckliches, und listige Demagogen-wuth Gefährliches hat. Religion und Sitte blieben fern von ihm;dagegen führte in ihm den geheimen Vorsitz zügellose, vor keinemVerbrechen erschreckende Selbstsucht. Sie täuschte durch ihre Larve,die Freiheit, Gleichheit, Republik hieß; sie schreckte durch den Dolch,den fein die Wage des Gesetzes warf. Ihr Losungsgeschrei >parKönigsmord. Dieser Jacobinismus war älter als der Iacobi -nerclubb, bildete sich aber in demselben aus und überlebte ihn,Ja er sinnt noch jetzt in Frankreich auf neue Pläne. Unstreitig gabes in dem Elubb Männer von großen Talenten, vorzüglich von ei-ner seltenen Energie und eisernen Consequenz des Charakters; auchkann man nicht leugnen, daß der von ihnen prganisirte TerrvrismusFrankreich im I. >793, vom politischen Untergänge rettete. DieserTerrorismus mußte mit der Schließung der Versammlungen derJacobiner im I. 1795 verstummen; er lebte aber von neuem auf inNapoleons militärischer Diplomatik, und bewirkte eine ZeitlangWunder. Eben so wahr ist es, obgleich in seltenen Fallen, daßrechtliche Männer Jacobiner waren; allein entweder täuschten siesich selbst durch Schwärmerei; oder sie waren durch politische Ver-bindungen hineingezogen und konnten nicht zurück, oder sie hofften,durch ihre Stimme und ihren Einfluß die Mehrheit auf den bessernWeg hinzuführen, Gewöhnlich wurden sie das Opfer dieses kühnenWagestücks. Eine Menge schwache, furchtsame, charakterlose Egoi-sten endlich schloffen sich an die Jacsbiner-Coryphäen mit franzö-sischem Leichtsinn, oder weil es Mode war, an; oft auch nur umihrer persönlichen Sicherheit willen. Diese sogenannten krtzres äupesmußten wider ihren Willen mithandeln: denn die Häuptlinge hattensie bald durchschaut, und trieben sie mit furchtbarer Gewalt in denWirbel der politischen Ruchlosigkeit hinein. Entschieden ist es, daßder Jacobinismus die Freiheit getödtet und sein eigenes Kind, dieRepublik, ermordet hat: denn er vernichtete die Freiheit derBerathschiagung in der Versammlung der Stellvertreter derNation. Statt, daß die Ueberlegung bis zum Augenblicke der Ab-stimmung frei seyn sollte, wurde sie lange vorher in der Versamm-lung der Jacobiner bestimmt und gebunden. Alles war schon, oftwillkührlich oder durch Ueberlistung, im Clubb festgesetzt, ehe manes der Nationalversammlung aufdrang. Uebrigens war dc» Cha-rakter des Jacobinismus so veränderlich, wie der Nationalcharak-ter selbst. Dies über Jacobinismus im Allgemeinen. Die Ge-schichte des Jacobinerclubbs ist folgende. Vor dem Aus-bruche der Revolution hatten sich in Paris, wo schon längst soge-nannte Bureaux ä'esprit, oder gesellschaftliche Unterhaltungen überlitterarische und belletristische Gegenstände üblich gewesen waren,vorzüglich seit dem amerikanischen Freiheitskriege, nach dem Bei-spiele der londoner ckebarinA soojsties, gewisse Gesellschaften gebil-det, in welchen man über politische Ideen sprach, und fast allge-mein zu republikanischen Ansichten sich hinneigte. Großbritannienund Nordamerika reizte die geistvollen Franzosen zur Nachahmung,ihren Rationalstolz aber zur höhern Ausbildung des gegebenen Bei-spiels, Raynal und Rousseau wurden begierig gelesen; und der leb-hafte , ungestüme, leichtsinnige Charakter der französischen Sprecherund Denker blieb nicht bei der ruhigen Speculalion stehen. IhreKeckheit trieb alles bis auf die Spitze; und bei der völligen Ge-