Band 
Fünfter Band. Von I bis L.
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Jacodmer 171

müthlosigkeit der meisten, die nur kalte Verstandesmenschen undkühne Selbstlinge von sehr verdorbenen Sitten waren, mußte dasphilosophische Unrecht eines Aristoteles, Grotius und Locke, in die-sen Titanenköpfen endlich bis zu einer spekulativen Raserei gesteigertoder in eine politische Meinungs-Desxotie umgestaltet werden, dieum so weiter um sich griff, je mehr sie dem eitel» Stolze der ^Ra-tion , neu und außerordentlich, oder in ihrer Staatsverfaffung Ori-ginal zu seyn, zusagte. Nur so läßt sicks erklären, daß unwissendeEmigranten und späterhin Geoffroy, Mad. Genlis, selbst Laharpeund ähnliche, durch äußere Rücksichten bestochene Tonangeber undihre Nachbeter, die vornehmen Stände außerhalb Frankreich, Eng-land ausgenommen, «0 der gerade Sinn des einen Thesis demfurchtsamen Argwohn des andern die Wage hält, die Philosophie alsdie Urheberin des Jacobinismns und der französischen Revolutionbezeichnen und sie dadurch, wie sie vermeinten, brandmarken konnten.Es ist wahr, Voltaire, Alembert, Friedrich II. griffen Vorurtheilemit allen Waffen ihres Witzes an. Sie verschonten in ihrem geistigenUebermuthe selbst das Ehrwürdige nicht, wenn sie Vorurtheile andemsilben haften sahen. Hier war aber kein Plan, den Altarund den Thron umstoßen, Gottlosigkeit dagegen, Atheismus undAnarchie einführen zu wollen. Männer wie Diderot traten zwardie gewöhnlichen Formen der Sitte und Meinung mit ihrem Ratur-stolze zu Boden; ihre Nachbeter übertrieben dies sogar: aber nir-gends ward es zum Zwecke eines Bundes gemacht! Natürlich befan-den sich eine Menge kräftiger und kühner Menschen in den verschie-denen geheimen Gesellschaften, und gingen aus diesen in den Jaco-bincrclubb über. Politische Ideen wurden Lieblingsgegenstand derUnterhaltung. Die Zeitbedürfniffe liehen ihnen doppelten Reiz. Werdünkre sich da nicht weise genug, den Philosophenmantel umzuneh-men ! Alle Leidenschaften verwirrten die Begriffe; da mußte wol dieSophistik einiger Schreier den gesunden Menschenverstand immermehr betäuben, und die Schwachen verhören! Ja die Wuth diesersogenannten Philosophen, welche von der Philosophie so weit ent-fernt waren, wie die himmelstürmenden Titanen von den Bahnender Astronomie, wuchs an Kraft, so wie sich die Hindernisse mehr-ten; mit jedem Hindernisse aber, das sie besiegten, stieg auch ihrStolz und ihre Kühnheit. Diese innern, aus dem Nationalcharakterüberhaupt, wie aus der instinktartigen Selbstsucht und Sittenver-dorbenheit der meisten Häuptlinge, denen jede der Menschheitwohlwollende Grundidee und das Gefühl der Liebe gänzlich man-gelte , hervorgegangcnen Ursachen der Bösartigkeit des im Jacobi-nercludb vorherrschenden Revolutionsgeistes sind aber nicht die ein-zigen Quellen jenes praktischen Wahnsinns. Auch die Gewalt derUmstände, die verzweifelte Lage des Ganzen, besonders die alleFedern der Staatskrast in krampfhafte Zuckungen versetzende Fi-nanznoth, rissen die Männer der Revolution (und dies sind die Ja-kobiner) unwiderstehlich von dem ersten ungeheuern Beginnen eineMasse von 25 Millionen, mit allen Künsten des Luxus vertrauterMenschen in strenge Republikaner verwandeln zn wollen, bis zu denletzten Rasereien des politischen Fanatismus fort. Selbst jene außer-ordentliche und schreckliche Individualität der einzelnen Ochlvkratenwar großentheils das Erzeugniß einer nicht weniger qußerordcnt-sichen als furchtbaren Zeit. Welche Spannung mußteg nicht dasMaximum, die Wunden und der Föderalismus im Innern, so wie