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Fünfter Band. Von I bis L.
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Jacobson 179

dem verstorbenen Herzoge von Braunschweig zum Hofagenten er-nannt. Der Herzog, welcher reiche und thätige Leute begünstigte,schätzte Jacobson, der sich auf mannichfaltige Weise nützlich zu ma-chen wußte, zog ihn häufig zu Rathe, und gab ihm Beweise seinesvorzüglichen Wohlwollens. Ja. Jacobson ward, unmittelbar vor derfranzösischen Invasion, zum geheimen FiNanzrathe ernannt, und lei-tete, als solcher, nicht blos mit der Feder, sondern auch mit derpraktischen Thätigkeit eines Banquiers, die Finanzen verschiedenerFürsten. Nach der Gründung des ephemeren westphälischen Reichs,ward er von dem Hofe zu Cassel, der sich wenigstens auf Geld ver-stand, in große Thätigkeit versetzt, und in Geschäfte der mannich-faltigsten Art verwickelt. Jacobson wollte seinen Einfluß zu einemhöhern Zwecke, zu einer religiösen und sittlichen Reformation seinerNation, benutzen, und auf seinen Betrieb ward, unter dem NamenKonsistorium, ein oberster Gerichtshof in Kassel gegründet, von wel-chem alle religiöse und sittliche Angelegenheiten der jüdischen Rationin WDphalen in letzter Instanz verhandelt werden sollten. Jacob-son selbst ward zum Präsidenten dieses Konsistoriums ernannt.Aber schon vor der durch die Ereignisse des Jahrs -gi? erfolgtenAuflösung desselben, hatte er, dem durch die Anmaßungen des caffel-schen Hofes seine dortige Existenz verleidet worden war, mit Be-seitigung aller Handlungsgeschäfte, sich aus eins seiner Güter zu-rückgezogen, wo er, entfernt von dem Gewühle der großen Welt,in ruhiger Abgeschiedenheit lebte, ohne sich, wenigstens dem Scheinenach, unmittelbar mit Geldangelegenheiten zu befassen. Um wenig-stens im allgemeinen ein Urtheil über Jacobson zu fällen, müssenwir ihn aus den drei Hauptgesichtspunkten, welche sich uns darbie-ten, als Geschäftsmann, als Reformator und als Menschen betrach-ten. Für seine Fähigkeit als Geschäftsmann sprechen seine Vermö-gensumstände; Freund und Feind sind darin einverstanden, daß erzu speculiren verstehe; wir können aber hinzusetzen, daß sein Spe-culationsgeist nicht an dem Kleinlichen und Aengstlichen haftet, auchdas Unwürdige verschmäht, und gern Großes ins Auge faßt, da«neben dem Gewinn auch Ehre bringt. Als Reformator seiner Ra-tion hat er wenigstens im praktischen Theile, das heißt, in peku-niärer Hinsicht, den Juden Mit Consequenz und Beharrlichkeit ge-nutzt: an vielen Orten in und außer Deutschland sind ihnen , aufseine wirksame Verwendung, drückende Bürden aller Art abgenom-men, und sie selbst dadurch mehr oder weniger zu bürgerlichen Men-schen geworden, denen (so hoffen wir) nun auch die moralischen nach-folgen werden. Seine theoretische Reformation der Jnden hat we-niger unsern Beifall: halbe Maaßregeln helfen zu nichts. Die jü-dische Religion, als die in ihrer Art konsequenteste und beharrlichstealler, mußte entweder von Grund aus aufgehoben werden, oder, dadas nicht ging, gänzlich unangetastet und in ihrer alttestamentari-fchen Würde gelassen werden. Was konnte es helfen, einige mittel-bare, äußere Gebräuche abzuschaffen, wenn der innere Geist leben-dig und bei seiner vorigen Wirksamkeit blieb? Hier war von ihmweder der richtige Gesichtspunkt gefaßt, noch selbst der gefaßte mitdem nöthigen Nachdruck verfolgt worden. Als Mensch endlich istJacobson bisher theils zu verschwenderisch gelobt, theils zu bittergetadelt worden: jenes hat die Dankbarkeit für empfangene, diesesdie Rache für verweigerte Wohlthaten thun zu müssen geglaubt.Das Lob, welches ihm zuertheilt worden ist, und wäre es selbst