»86 Zanitscharen Jansen
in Friedenszeiten in Constaurinopel verwahrt werden, wo sie als-dann blos einen langen Stab führen. Sie greifen den Feind ge-wöhnlich ohne Ordnung und mit dem lauten Ausruf: Allah (Gott)an; müssen jedoch,'da sie ganz ohne Lactik fechten, gegen geübteSoldaten stets verlieren, weswegen sie auch jetzt bei weitem nichtmehr so furchtbar, wie ehedem, sind. Außer den eigentlichen Ja-nitschaven gibt es noch eine aus ico,ooc> Mann bestehende Armee,die ebenfalls Zanitscharen heißen, aber nur eine, aus Handwerkernbestehende Landmiliz sind. Diese dienen gänzlich ohne Sold, sinddurch alle Theile des Reichs zerstreut, und ziehen äußerst selten zuFelde. Aus den eigentlichen Zanitscharen wird die Leibwache desSultans gonommen, welche sich allemal bei seiner Thronbesteigungin einer Oda desselben mit. dem bestimmten Solde von 7 Asper fürden Lag einschreiben laßt. In den Oda's herrscht übrigens einegroße Ordnung und Reinlichkeit, so wie in dem Corps selbst eingewisses Point d'Honneur, welches keinem Diebe, keinem lüdcrlichenMenschen rc. den Aufenthalt in demselben gestattet. Auch liefertdas Militair-Znstitut der Zanitscharen das einzige Beispiel einesöffentlichen Anathema, oder Banns, welches in der ganzen Ge-schichte der Ottomannc-n vorkommt. Während der Entthronung OS-mans H. wagte es ein Janitschar von der 6Sften Compagnie, seineHand gegen den gefallenen Monarchen zu erheben, und ihn öffent-lich in den Straßen der Stadt zu schmähen. Murab III., der Bru-der und Nachfolger Osmans, bestrafte den Frevel, indem er dieganze Compagnie vernichtete. Das Andenken an das Verbrechen,so wie an die Strafe, wird erhalten und jeden Monat zweimal er-neuert. Am Mittwoch nämlich, wo man an die verschiedenen Kam-mern die Lichter vertheilt, wird die SSste Compagnie zwar aufge-rufen , ihre Ration in Empfang zu nehmen, aber bei dem zweitenAufrufe spricht ein Offizier feierlich folgende Worte aus: ,,Laß ihreStimme schweigen; laß sie gänzlich erloschen seyn." Die Reformen,welche man in neuerer Zeit mit dieser Miliz hat vornehmen wollen,hauen den heftigsten Widerstand gefunden, mehrere Revolutionenzur Folge gehabt, und haben zuletzt müssen aufgegeben werden.(S. Mustapha Bairaktar und Rizam Geddid.)
Jansen (Cornelius), geb. 1S35, Lehrer der Theologie zu Lö-wen, und seit i 636 Bischof zu Vpern in den Niederlanden, verdankteine Eelebrität, die den Namen des älteren als Exeget bekanntenCorn. Jansen, Bischof zu Gent (f 1S76), verdunkelt, dem herrschen-den Interesse seines Jahrhunderts an den theologischen Streitig-keiten über die Gnadenwahl und den Gnadenbeistand. S. d. Art-Gnade. Hauptsächlich in den verschiedenen Darstellungen dieserLehre beim Augustinus, der sich gegen die Manichäer anders,als gegen die Pelagianer ausdrücken mußte, wurden sie im Zeital-ter der Reformation natürlich neu angeregt, und die Unbestimmt-heit und Jnconsequenz der päpstlichen Erklärungen in dieserSache, gab ihnen freies Feld selbst in der katholischen Kirche,wo der Stolz und Ordensneid der Dominicaner und Augustiner,die sich zu dem strengen antipelagianischen Lehrbegriffe Augustinsbekannten, und die Ränke der auf mildere Auslegungen desselbenausgehenden Franziskaner und« Jesuiten, diesen ärgerlichen Streitimmer lebhafter unterhielten. Ein Triumph für die letzteren schien1567 die Berdammungsvulle des Papstes, über 76 Sätze aus denSchriften des Kanzlers und Inquisitors zu Löwen, Michael Ba-