19 » Jausen Januarius
leisten, und mit Fußtritten, Schlägen und Stichen martern ließen,der Naturalisten und Figuristen, welche bald die Hülflosig-keit des »»begnadigten Naturmenschen, bald die Reinheit der KircheChristen durch unanständige Entblößungen darzustellen suchten, derDiscernanten und Me langt sten, die sich über die Fragestritten: ob Gott oder der Teufel die Konvulsionen hervorbrächte?und andrer schwärmerischen Jansenistcn- und Appellanten-Parteienmehr, wußten eine Sache, deren man ohnehin nach gerade müdeward, vollends lächerlich machen, und die ernstlichen Maaßregeln derPolizei, das fortgesetzte Verbrennen der jansenistischen Bücher, diehäufigen Verhaftungen, am meisten aber das nach dem Gange derNatur erfolgende Verlöschen jenes Enthusiasmus brachte sie endlichin Vergessenheit. Seit dieser Zeit Horte der Jansenismus auf inFrankreich als öffentliche Erscheinung zu bestehen. Seine reine Mo-ral und konsequente Theologie behielt zwar auch hier immer Freundeund eine Partei im Klerus- die durch ihre Bereitwilligkeit zumConstitutionseide in der Revolution bewies, daß sie sich lieber vomPapste, als von ihrer Meinung trennen mochte. Allein wenn auchder alte Zwiespalt der Jansenistcn und Violinisten in dem Gegen-satze der geschwornen und nichtgeschwornen Priester in Frankreich bisauf die neueste Ordnung der Dinge fortlebn; *) so hat sich dochnur in den vereinigten Niederlanden ein eignes öffentlichanerkanntes kirchliches Institut der Jansenistcn gebildet,welches sich zufolge der auf der jansenistischen Proviuzialsynode zuUtrecht 176Z gefaßten Beschlüsse zwar nickt von der katholischenKirche ausschließen will, auch den Papst als geistliches Oberhauptachtet, aber seine Untrüglichkeit ableugnet, die Constittition Unige-nitus verwirft und davon fortwährend an ein allgemeine« Conci-lium appellirt, dabei den augustinischen Lehrbegriff und seinen mo-ralischen Rigorismus festhält und den innern Gottesdienst als dasvorzüglichste Merkmal der Frömmigkeit betrachtet. Diese Janseni-sten, die sich am liebsten Schüler des heil. Augustinuönennen lassen, haben seit -72? einen eignen Erzbischof zu Utrecht,und zu Hartem und Deventer Bischöfe, «inen Klerus, der der Civil-obrigkcit unterworfen ohne äußre Macht und Reichthum seine Be-stimmung um so treuer erfüllt und eine wohlgeordnete Knrchcnverfas-jung, deren gesetzliche Gestalt und Dauer sie, fortwährend vom Papsteals Abtrünnige und Schismatiker verurtheiit, dem Schutze einerprotestantischen Regierung verdanken und auch jetzt noch unter fran-zösischer Hoheit beibehalten dürfen. L.
Januarius (der heilige), Schutzpatron des Königreichs Nea-pel, wurde zu Anfange des gten Jahrhundert« als christlicher Mär-tyrer nach vielen Martern zu Puzzuoli enthauptet. Sein Körperliegt zu Neapel in der Cathedralkirche begraben; allein das Hauptnebst zwei Fläschchen von seinem Blute, welches eine fromme Ma-trone bei seiner Enthauptung aufgefangen haben soll, wird in einerbesondern Kapelle verwahrt. Dieses -Blut ist cS, mit welchem dieNeapolitaner, die bigotteste Nation Italiens, noch jährlich die al-bernste Ceremonie, begehen, welche selbst von dem katholischen Pöbelin andern Ländern verlacht wird. Sie behaupten von demselben, daßes, auch noch so hart geronnen, dennoch zu fließen anfange, sobaldes sich dem Haupte des Heiligen nähere. Insbesondre wird jährlich
") Siebe Gregoirs merkirürdizcs Vekenmmö in seiner Schrift l-os U»ü>e«äe körnige!. kerii