Band 
Fünfter Band. Von I bis L.
Seite
196
JPEG-Download
 

ry6 Japan

den ersten Rang, nimmt sogar Ehrentitel von ihm an, und erwie-dert die ihm dadurch ertheilte Auszeichnung durch ansehnliche Ge-schenke. Ehedem machte der Kubo jährlich eine Reise nach Miaco,um dem Dairi seine Ehrfurcht zu bezeugen, nach und nach wurdendiese Besuche seltener und jetzt läßt cr's dabei bewenden, ihm durchGesandte seine Geschenke zu überschicken. Der Kubo verwaltet dieRegierung unter dem Beistände eines Staatsraths von sechs bejahr-ten Männern. Er zieht seine Einkünfte, die in lauter Naturerzeug-niflen bestehen, aus fünf sogenannten kaiserlichen Provinzen und ei-nigen Städten, die unmittelbar unter ihm stehen, wozu noch dieGeschenke kommen, welche die Landcsfürsten, die über die Provinzenherrschen, ihm bringen. Jeder dieser Fürsten besitzt erbliche Landes-hoheit in seiner Provinz, er hebt die Einkünfte derselben, ohne demKaiser Rechenschaft abzulegen und bestreitet davon die Kosten fürseine Hofhaltung, seine Kriegsmacht, und die Unterhaltung derLandstraßen, kurz alle öffentlichen Ausgaben; um aber seine Abhän-gigkeit anzuerkennen, muß er jährlich 6 Monate am kaiserlichen Hofezu Jedo zubringen, wo seine Weiber und Kinder alt Geißel undBürgen seiner Treue in einer Art von Gefangenschaft leben. — DieReligion der Japaner ist indischen Ursprungs, fowol die ältereSekte Xinto, als. die neuere Budzo, oder die Fo-Religion, dieaus Lina hinübergekommen ist. Außer diesen Sekten gibt es nochmehrere andre, welche Modifikationen von jenen sind. Das Volkverehrt eine Menge von Untergotthciten, deren Bilder in den Tem-peln der Hauptgottheiten aufgestellt werden. Die zahlreiche Geist-lichkeit und die Mönche und Rönnen, die in einer Menge von Klö-stern leben, stehen unter dem Dairi. Nirgend ist die indische Re-ligion durch Aberglauben und spätere Ausätze so sehr entstellt, als inJapan. Die Budzo-Sekte hat Aehnlichkeit mit der Gelehrten-Sekte in Sina; sie verachtet allen Land des Volksglaubens. — DieKriegsmacht der Japaner in Friedenszeiten besteht aus 100,000Man» Fußvolk und 20,000 gepanzerten Reitern. Das Fußvolk hatnur Helme. Ihre Waffen, Bogen, Flinten, Säbel, Dolche, sindvortrefflich. Sie haben sehr schwere Kanonen, die sie nicht so gutzu gebrauchen verstehen, als die Sinesen. Die Kontingente der ein-zelnen Fürsten betragen 368 ,vo» Mann zu Fuß und 38 ,000 zu Pfer-de. Hie Seemacht ist unbedeutend. Ehedem hatten die Dairiszahlreiche Flotte». Sonst baute man sehr große Schiffe aus Cedern-holz, jetzt addr sind die japanischen Schiffe nur klein, höchstens g»Fuß lang, den sinesischen ähnlich. Im Kriege zeigen die Japanerviel Muth und Tapferkeit, welche durch kriegerische Lieder und Er-zählungen noch mehr entflammt werden. — Die Staatseinkünftesind beträchtlich. Die Ausgaben, welche die Einnahme nicht über-steigen , betragen gegen -80,00» Thaler. Seit der Ankunft der Eu-ropäer und durch diese belehrt, haben die Japaner sich in mehrer«Wissenschaften hervorgethan. Geschichte, Astronomie und Arzeneikundewerden am eifrigsten betrieben. Dichtkunst, Musik und Malereiwerden ebenfalls geschätzt, und in der letzten haben es die Japanerweiter gebracht, als die Sinesen. Sie schreiben sich, wie diese, dieErfindung des Schicßpulvers und der Buchdruckerei zu. Die Kinderwerden früh in die Schulen geschickt und sehr strenge erzogen. Bü-cher auszuführen ist verboten, wenigstens solche, die Nachrichten vonder Regierung und dem Lande enthalten, desgleichen Landchartenund Münzen. Eben so strenge ist die Einführung fremder RcltgionS-