Band 
Fünfter Band. Von I bis L.
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Jeanne d'Arc 22t

kannte Carln als König; Bedford konnte sich nur durch Waffen-macht und Klugheit behaupten. Er schlug im September den Angriffauf Paris ab. Hier wurde Johanna verwundet. Carl zog sich nachBourges zurück. Er erhob jetzt die Jungfrau mit ihrer Familie inden Adelstand. Sie hieß zuerst Dalis, dann Dulis, endlich Dy Lys.Ihr Wappenschild enthielt zwei goldne Lilien, und ein mit d«eSpitze in die Höbe gerichtetes Schwert, das eine Krone trägt. In-deß sammelte Bedford neue Kräfte. Burgund und Bretagne erkann-ten den in Paris gekrönten jungen König Heinrich VI. an. Nundrangen die Engländer aufs neue vor. Sie belagerten Compiegne.Das Mädchen warf sich hinein, wie in Drleans; -aber bei einemAusfalle wurde sie den 2S. Mai 14Z0 von den Burgundern gefan-gen; man sagt, französische Officiere hatten sie aus Neid, weil ihrRuhm den ihrigen verdunkele, in der Gefahr verlassen. Sie ergabsich dem Lyonnel Bastard von Bendome. Anfangs saß sie zu Erotoy,dann zu Beaurevoir. Als sie hörte, daß sie den Engländern ausge-liefert werden sollte (der König Heinrich hatte für sie 10,om, Livresgezahlt), wollte sie durch einen Sprung aus dem Thurme sich retten.So kam sie, gefährlich beschädigt, in die Gewalt dsr Engländer. AufBetrieb ihrer eignen Landsleute ward ihr der Proceß gemacht. DerBischof von Beauvais, Pierre Couchon, leitete ihn nach 12 Artikelnein, und die Universität Paris verlangte ihre Hinrichtung. AlsZauberin und Ketzerin ward sie von der Kirche gerichtet. Ueberdiese vermochte der weltliche Arm nichts. So entschuldigt Del Averdydie Unthätigkeit des Königs, welcher für das Schicksal der Heldinso wenig versuchte. Allein der leichtsinnige Earl zeigte in nichts be-harrlichen Kraftsinn und Ernst. Nach viermonatlichem Gefängnisseward die schuldlose Schwärmerin, welche fest und standhaft sich ver-theidigte, und im Verhöre den heiligen Michael als den Engelnannte, dessen Stimme sie, als sie iZ Jahr alt gewesen, im Gar-ten ihre« Vaters gehört habe, und der stets ihr guter Begleiter ge-wesen sey, ihres Umgangs mit höllischen Geistern und Zauberei we-gen von den Inquisitoren zu Rouen zum Fcuertode veruntheilt. Manführte sie zum Scheiterhaufen; da schien ihr Muth gebrdchen. Sieunterwarf sich der Kirche und erklärte ihre Offenbarungen für Teu-felswerk. Man verurtheilte sie darauf zu ewigem Gefängniß. Al-lein bald fand man Vormunde, sie als Rückfällige, klelaxss, zubetrachten. Sie ward daher den Zo. Mai 1481. zu Reuen bei lang-samem Feuer verbrannt. Sie starb mit Unerschrockenheit. Als manihr vor dem Gange zm.i Holzstöße die Jnquisitionsmütze aufsetzte,sagte sie zu ihrem Begleiter: Msirtrs, xar ls Araco äo Oion, js-erni ce soir en psrailis. Die Sage, daß, als Johanne auf demScheiterhaufen ausgeathmet, eine weiße Taube in die Höhe gestie-gen, erinnert an Herders schöne Legende von der Taube des Polh-carpus. „Spotte nicht, schließt Herder,

des Bildes, das die Saar sich erschuf.

Nur Einfalt, Unschuld qiedt im Tode Muth!

Ihre Asche ward in die Seine gestreut. Theologen hatten fie ver-vrtheilt, und unter diesen nur ein einziger Engländer, der Bischofzu Winchester. Im I. 14SZ klagten Johanna'S Verwandte auf Re-vision des Processes. Papst Ealirtus III. übertrug sie dem Erzbi-schofe von Rheims, den Bischöfen von Paris und von Coutanca,und einem Inquisitor. Diese sprachen den 7. Jul. 1456 das Urtheil:die 12 Artikel seyen falsch, und erklärten die Jungfrau für unschul-