226 Jena (Schlacht bei)
die oft sehr steilen HLHengipfel bringen zu können; die ganze Nachthindurch wurde gearbeitet; von seiner Fußgarde umgeben, vor sichdas Eorps von Lanncs, bivouacquirte Napoleon auf jener Höhe, dienachmals den Namen „Napoleonsberg" erhielt; rechts und linksum ihn her war die Armee bei dunkler Nacht in vollem Marsche.Von dem Allen wußte man im preußischen Hauptquartierenichts, oder doch nur sehr wenig, und auch dies Wenige nur höchstunbestimmt; man war so ohne alle Kundschaft, daß der König be-fahl, einige Gefangene zu machen zu suchen, um von diesen überdie Stärke und Stellung des Feindes etwas zu erfahren. Schonin dem Artikel Auerstädt ist gesagt worden, daß durch «in Zu-sammentreffen unglücklicher Umstände und falscher Maaßregeln, dasgroße preußische Heer (noch ohne Schlacht) bereits so zertheilt ge-wesen sey, daß ein Theil desselben zwischen Jena und Vier-zehnheiligen (einem altenburgischen Dorfe) unter dem FürstenHvhenlohe, und der andere bei Auerstädt, unter dem Her-zoge von Braunschweig gestanden habe, ohne mit einander in direk-ter Verbindung zu stehen. Ein Raum von 4 Stunden war zwischenbeiden Heeres - Abtheilungen, welche so wenig von einander wußten,daß der König von Preußen erst in Sömmerda das Schicksal derhohenlohischen Armee erfuhr. So war es möglich, daß in dieser un-bedeutenden Entfernung von einander zwei Schlachten zu gleicherZeit geliefert und verloren werden konnten. Wahrend der MarschallDavoust nämlich die Armee des Königs bei Auerstädt beschäftigteund schlug, wurde der Fürst Hvhenlohe von Napoleon selbst bei Je-na und Bierzehnheiligen geschlagen. Als Hvhenlohe (bei dem dassächsische Hülfscorps sich befand) am Morgen des 14. Oct.nicht mehr zweifeln durfte, daß er einer Schlacht nicht ausweichenkönne, entschloß er sich selbst zum ersten Angriffe; indem er sichden Angriff auf die Fronte des Feindes vorbehielt, beorderte er denGeneral Holzendorf (bei Rädchen), in dessen rechte Flanke, undGeneral Rüchel, der noch einige Stunden entfernt war, erhieltden Auftrag, als Reserve in der linken feindlichen Flanke (bei Jffer-städt und der sogenannten Schnecke) zu operiren. Ein dichter Ne-bel bedeckte das Schlachtfeld; die Heere, die sich schlagen wollten,sahen weder sich, noch ihre Batterien; doch begann früh 5 Uhr derAngriff der preußischen Kavallerie vom rechten Flügel; sie wurde zu-rückgedrängt und gerieth in das Kartätschenfeuer ihrer eigenen Bat-terie von Wolfrumsdorf; da wendete sie sich, durch einen bravenOffizier aufs neue ermuthiget, wieder gegen den Feind, der aberin diesem Augenblicke durch die Eroberung der preußischen BatterieSteinwehr einen bedeutenden Vortheil errang; man konnte dortnichts erreichen. Doch war nun unterdessen der Aufmarsch der Preu-ßen vollendet; auf der ganzen Linie stand man im Gefecht, das mitjeder Minute in den walzenden Nebelwolken heftiger wurde. Ueberdie rauchenden Trümmern des brennenden Dorfes Bierzehnheiligenging der Marsch der Preußen, die in der That mit Muth und Glückjetzt vordrangen. Der Augenblick des Sieges war für sie da, einGeneral-Angriff der ganzen Armee konnte das Schicksal des Tagesganz anders machen, als es wurde; aber vergebens sah Hvhenlohe,der allein bis jetzt gekämpft, und der den großen Moment erkannte,nach Holzendorf und nach Rüchel sich um. Schon 4 Stunden hatteman gefochten; es war g Uhr; jetzt, nach gefallenem Nebel, sahman die Vortheil« und die Gefahren ; die Boten flogen den beiden