Band 
Fünfter Band. Von I bis L.
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2io Ieremias Jerusalem

Zeugen der glühendsten Vaterlandsliebe und des unerschütterlichstenVertrauens auf den Gott der Vater, aber auch deutliche Beweise,wie sehr der Geist dieses Propheten durch sein und seines Volkes Un-glück gelähmt und niedergedrückt war. Nur in den Weissagungengegen auswärtige Staaten erhebt sich sein Ausdruck zu einigerStärke, sonst ist sein Ton sanft wie sein Charakter, und traurig,wie die Zeit, in welcher er lebte. Er sah den Untergang Judasmit Bestimmtheit voraus und beweinte ihn auf den Trümmern vonJerusalem. Die Frucht dieses Schmerzes sind seine Klagelieder,Elegien voll rührender Wehmuth und frommer Ergebung, diedurch ihren schönen, harmonischen Bau an eine bessere Periode derhebräischen Dichtkunst erinnern. L.

Jericho war eine nicht unbedeutende Stadt im alten Judäa,nordöstlich von Jerusalem, wegen ihrer Balsamgärten, Palmen-und Rosenwäldchen, besonders im Salomonischen Zeitalter ausge-zeichnet und blühend durch den Handel mit Balsam und Gewürzen.An ihrer Stätte steht jetzt das Dorf Rihha, die Gärten und Wäld-chen sind verschwunden, nur der Balsambaum wird noch abgewar-tet. In unsern Gärten erinnert an diese Stadt ein rankenartigesGewächs mit einer wunderbar gestalteten, wohlriechenden Blume,die wir die Rose von Jericho nennen. Wahrscheinlich wurde sie zuden Zeiten der Kreuzzüge von daher zu uns verpflanzt. L.

Jersey, eine Insel, in dem brittischen Meere, der westlichenKüste der Rormandie gegenüber, gehört den Engländern und wirdvon zwei Schlössern beschützt, deren eins das Fort Elisabeth unddas andereMontorgueil heißt. Städte sind: St.Helier, dieHaupt-siadt; St. Aubin, mit einem guten Hafen. Die Viehzucht undder Fischfang an den Küsten sind beträchtlich; Getraide und dieübrigen Lebensmittel erhält die Insel jedoch von England. Diezahlreichen Einwohner, die sich auf 20,000 erstrecken und sämmtlichlutherisch sind, nähren sich von Verfertigung gestrickter Strümpfe,Mützen rc., vom Fischfang, von der Seefahrt und vom Schleich-handel an der nahen franz. Küste, und werden in Kriegeszcitendem französischen Handel auch durch ihre häufigen Kaperschiffe ge-fährlich. Sie reden noch größtentheils französisch, sind aber Eng-länder mit allen Vorrechten der Ration; haben jedoch keine Re-präsentanten im Parlamente. Es residirt ein königlicher Gouver-neur auf der Insel.

Jerusalem, Johann Friedrich Wilhelm, wurde amar. Rov.170g zu Osnabrück in Westphalen geboren, wo sein Vater Super-intendent war. Seine vorzüglichen Anlagen verriethen und ent-wickelten sich schon früh. Kaum sechzehn Jahre alt, bezog er, mitallen nöthigen Vorkenntnissen ausgerüstet, im I. 1724 die Univer-sität zu Leipzig, wo er sich voll des unverdrossensten Fleißes demtheologischen Studium widmete. In seinem Listen Jahre ward erzu Wittenberg Magister und kehrte darauf in seine Vaterstadt zu-rück. Nach einem kurzen Aufenthalte daselbst unternahm er eineReise nach Holland, wo er noch einige Jahre hindurch zu Leidenstudirte und darauf zwei Edelleute als Führer auf die, eben da-mals neu errichtete Universität nach Göttingen begleitete. Nachdemer hier drei Jahre zugebracht hatte, unternahm er eine Reise nachLondon, von welcher er im I. 1740 nach Deutschland zurückkehrteund vom damaligen Herzoge von Braunschweig, dem Großvater desjetzt regierenden, zum Hos- und Reiseprediger, so wie zum Lehrer