Jesaias Jesus Christus. 213
»aß sein Einfluß auf König und Volk bedeutend war. Was vonden unter seinem Namen im alten Testament enthaltenen Orakelnerweislich von ihm selbst herrührt, sichert ihm eine Stelle unterden vorzüglichsten Dichtern. Seine Sprache ist den Gegenständen,die er behandelt, die angemessenste, sie vereinigt Einfachheit undKlarheit mit der höchsten Würde und Majestät, und an Fülle undKraft bei dem schönsten Ebenmaaß kommt ihm die Poesie keines«ndern Propheten gleich. Der Inhalt seiner Dichtungen sind Straf-reden und Klagen über die Sünden des Volks, drohende Verkün-digungen eines nahen Verderbens und herzerhebende Aussichten ineine schönere Zukunft. Adel des Gefühls und der Gesinnung sprichtaus jedem Zuge, alles trägt den Stempel des Genies und der äch-ten Begeisterung. Daher sehen die Gläubigen in seinen Weissa-gungen nicht mit Unrecht die Morgenröthe des Tages, der mitChristo der Menschheit aufgegangen ist. L.
Jesuiten, s. Orden (geistliche).
Jesus Christus ist ein Name, der an das Größte und Vor-trefflichste erinnert, was je auf Erden erschienen ist. Geheimnisseund Wunderumgeben seinen Eintritt in das irdische Leben, wieseinen Austritt aus demselben, denn eine so ungewöhnliche Erschei-nung konnte nicht auf die gewöhnliche Weise entstehen und ver-schwinden. Was mitten inne liegt aber, das Leben Jesu selbst,gehört ganz der Menschheit an. Um 7Zc> nach Roms Erbauungunter der Regierung des Imperators Augustus, wurde er zu Beth-lehem in Judäa von Marien, einer Erbtochter des verarmten Da-vidischen Geschlechts, die einem Zimmermann Joseph aus Razarethverlobt war, geboren. Seine ersten Lebensjahre sind durch dieFlucht nach Aegypten, wohin die Sorgfalt Josephs ihn vor denGewaltthätigkeiten des alten Königs Herodes rettete, merkwürdig.Sonst verstrich seine Jugend im Hause seiner unbemittelten, from-men Eltern zu Razareth in Galiläa, wohin sie nach Herodis Todezurückgekehrt waren, ohne außerordentliche Begegniffe. Die Mut-ter scheint ihm Freiheit zu seiner Entwickelung gegönnt und seinoffenes Gemüth frühzeitig durch die heilige Schrift genährt, Josephdagegen ihm Beschäftigung bei seinem Handwerke gegeben zu ha-be». Eine Scene, die Lucas cap. 2. erzählt, zeugt von hervor-stechenden Anlagen und tiefem religiösen Sinne des zwölfjährigenKnaben. Doch vergeblich bemühen wir uns, das Räthsel seinerBildung nach Weise der Psychologen zu lösen. Im Zc>. Jahre sei-nes Alters tritt er, um Prophet und Lehrer seines Volks zu wer-den, als vollendeter Mensch zu einem öffentliche» Leben in Galiläaauf, und weder die beschränkten Effäer noch andre Obere irgendeines geheimen Ordens wären im Stande gewesen, einen Mannwie diesen heranzuziehn, und zum gehorsamen Werkzeuge ihrerPrivatzwecke zu machen. Frei von den Borurtheilen seiner undaller Zeiten, im Lichte der ewigen Wahrheit selbst, die er verkün-digte, erhaben über jeden Eigennutz und jede Leidenschaft, in derKraft einer Lugend, von der sein Zeitalter kerne Vorstellung hatte,ohne Rathgeber und Führer selbst ein Herr über alle Seelen, diesich ihm nahen, steht er da einzig in seiner Art und unübertroffen ;und wenn schon das Genie in der Kunst und Wissenschaft sich nur»on oben herleiten läßt, und das Geheimniß seiner Entwickelungdem geübtesten Auge entzieht, so können wir uns um so eher mitder Rechenschaft begnügen, die Jesus selbst von seiner geistigen Aus-