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Fünfter Band. Von I bis L.
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214 Jesus Christus

stattung, Thatkraft und Lehre giebt, daß sie von Gott sey. Uebri-gens ist er an Titte und Lebensweise ganz ein Jude, er ehrt denSabbath, beobachtet die Gebräuche und unterwirft sich der Obrig-keit, denn die.revolutionaire Ungevundenheit, in der unsre Geniessich auch, was die äußere Lebensform und Ordnung betrifft, zu ge-fallen pflegen, ist ihm fremd. Nur dadurch zeichnet er sich aus,daß er weiser, besser und liebevoller ist, als alle andre. SeineWunder, durch die er allerdings die Menge auf seine hadere Sen-dung aufmerksam machen will, sind Wohlthaten an Hilfsbedürf-tige, zurOstentation oder zur Befriedigung der abergläubigen Neu-gier thut er keins. Denn immer verfolgt er nur den einen Zweck,sein Volk aus dem Elende der Unwissenheit und des Lasters zuretten und das Evangelium von der Erbarmung Gottes gegen dasMenschengeschlecht, zum Troste für alle Zeiten und Völker zu ver-kündigen. In dieser--bsicht zieht er durch alle Gegenden seines Va-terlandes, benutzt jeden >»laß, seine eindringlichen, durch belebendeGleichnisse anschaulichen Belehrungen daran anzuknüpfen und demElende abzuhelfen. Niemand geht von ihm, ohne etwas Gutes ge-lernt oder empfangen zu haben. Zu jedem Feste findet er sich re-gelmäßig zu Jerusalem ein, in dessen Rahe er bei frommen Fa-milien das Glück der Freundschaft genießt, am längsten verweilter aber auf seinen Meisen zu Capernaum in Galiläa, denn Naza-reth achtete ihn nicht. Ueberhaupt wendet er sich zunächst an dieArmen und Geringen im Volke, deren unbefangner Wahrheitssinnihm am ersten Glauben schenkt; auch seine zwöss Jünger wählt eraus dieser Klasse, und kein Großer und Reicher war in dem Ge-folge von Anhängern und Freunden, das ihn überall begleitete.Denn von Seiten der Vornehmen, besonders der hohen Priester-schaft, drohcte ihm Verderben. Sie konnten nicht ohne Besorgnissehen, wie er die alten Vorurtheile und Mißbrauche bestritt, aufdie sie ihr Ansetzn gründeten, und je mehr seine Lehren und Tha-ten das Volk in dem Glauben befestigten, er sey der verheißeneMessias, von dem man eben so sehr eine politische als moralischeWiedergeburt der jüdischen Ration erwartete, desto ernstlicher wur-den auch die Verfolgungen der mächtigen Partei, die der gefürch-teten neuen Ordnung der Dinge nur durch den Sturz des Lehrersder Wahrheit vorbeugen zu können meinte. Aber unstreitig wurdeer von seinen Gegnern mißverstanden. Politische Größe und Ober-herrschaft war nicht sein Ziel, er entzog sich mehr als einmal demZujauchzen der Menge, die ihm die Königswürde zusprach. Wenner bei seinem letzten Einzüge in Jerusalem die Huldigungen derVolksgunst nicht zurückwies, so machte er doch auch nicht die ge-ringste Anstalt, sie für ehrgeizige Zwecke zu benutzen, und jenesAustreiben der Laubenvcrkäufer und Wechsler aus dem Tempel-hofe war ein Act der geistlichen Polizei, den sich der geachtetstealler Propheten wohl erlauben durfte. Anmaßung kann man ihmdaher nicht Schuld geben, aber verwegen würde man ihn nennenmüssen, daß er Jerusalem nicht vermied, wenn die Anschläge seinerFeinde nicht diesmal in dem Verhältnisse einer unwillkührlichenUebereinstimmung mit dem Rathschlusse Gottes gestanden hätten.Wie jeder Schritt seines Lebens war auch diese letzte Festreise nachJerusalem und was damit zusammenhing, nur die Ausführung desgroßen Planes, den er auf den Wink seines himmlischen Vatersverfolgte, und seine ausdrücklichen Erklärungen lassen, wie der Vor-