Jesus Christus riz
gang seiner Verhaftung keinen Zweifel übrig, baß er sein Schicksalvorausgesehn, mit weiser Ueberlegung vorbereitet und zur rechtenStunde freiwillig, obwohl nicht ohne schmerzliches Vorgefühl seinerLeiden und schweren Kampf mit sich selbst, aufgesucht hat. DerVerrath eines seiner Jünger, des Jschariothen Judas, lieferte ihn,nachdem er drei «hre zum Segen der Welt gewirkt hatte, in derNacht vor dem Rüsttage zum Osterfeste in die Gewalt seinerFeinde.Erkaufte, in ihren Aussagen nicht einmal übereinstimmende An-kläger traten in dem Verhör, das der Hohepriester im Beiseyn deshohen.Rathes nun sogleich mit ihm hielt, wider ihn auf, und hiererklärt er, was er sonst zwar nicht geradezu behauptet, aber auchnicht abgeleugnet hatte, unumwunden, er sey Christus (der Ge-salbte, Messias) der Sohn Gottes. Uebrigens kann man ihn kei-ner Sünde zeihen und sein Leben ist auch in den Augen seinerFeinde ohne Flecken. Was aber in seinem Munde hier nur Wahr-heit und innige Ueberzeugung seyn konnte, nannten seine RichterGotteslästerung und verdammten ihn zum Tode. Sie übergäbe»ihn am frühen Morgen, zur Bestätigung ihres Urtheils, als einenEmpörer und Lästerer an den römischen Prokurator Pilatus, der,ob er gleich keine Schuld an ihm findet, ihrem Andringen und demGeschrei der aufgehetzten Menge endlich nachgiebt, und Jesum ohneVerzug zur Kreuzigung abführen läßt. Diese schmachvolle undschmerzliche Todesstrafe endete sonst das Leben nicht schnell, der oh-nehin zarte, von den Anstrengungen der vergangenen Tage unddurch die seit seiner Verhaftung erduldeten Mißhandlungen erschöpfteKörper Jesu, unterlag aber bald. Seine letzten Worte am Kreuz;zeigen, daß ihn sein reiner, göttlicher Sinn auch bis zum Todenicht verließ. Er starb im Z4. Jahre seines Lebens, um die dritteRachmittagsstunde des Rüsttages, des i5. im Monat Risan. Un-verwerfliche Zeugen bestätigen die Gewißheit seines Todes. Zweiihm in der Stille ergebene Männer vom hohen Rathe sorgen fürseine Bestattung, und nachdem er ungefähr 36 Stunden in derGruft gelegen, steht er, wie er selbst vorhergesagt, am dritten Tage,den 17. Nisan früh, neubelebt vom Tode auf. Nun sammeln sichdie durch seine Hinrichtung erschreckten und eingeschüchterten Jüngerwieder. Jesus erscheint ihnen, den 70 Jüngern, welche er schonfrüher als bewährte Anhänger zur Verbreitung seines Evange-liums unter den Juden ausgesendet hatte, und einmal auch einergrößeren Menge seiner Gläubigen, um sie durch nähere Belehrun-gen und bestimmte Anordnungen, z. B. der Lause zur Ausbreitungseiner Religion unter alle Völker und zur Gründung der Gemeinde,die durch den Glauben an ihn beseligt wird, auszurüsten, und nach40 Tagen dieses sie wunderbar belebenden Umgangs schied er vo»ihnen, und ward weiter nicht mehr auf Erden gesehen. Er konntenach ihrem und unserm Glauben nur zu Gott, von dem er ausge-gangen war, zurückgekehrt seyn. Man mag welcher Religion manwill angehören, immer wird man sich bei der Betrachtung des Le-bens Jesu genöthigt fühlen, jenem heidnischen Krieger Recht zugeben, der unter seinem Kreuze ausrief: Wahrlich, dieser ist Got-tes Sohn und ein frommer Mensch! Die Angriffe der Gegner sei-ner Religion und die kritischen Bemühungen der Schwergläubigen,die ihren Scharfsinn und Aweifelmuth wie nirgend anders an denThatsachen seiner Geschichte geübt haben, konnten nur dazu dienen,ihre Wahrheit und Glaubwürdigkeit in ein desto helleres-Licht zu