2i6 Jesus Christus Joachim Murat
sehen. Der geistreiche aber unsittliche Muthwille, mit dem diefranzösischen Belletristen im Zeitalter Voltaire's den Himmlischen,den sie nicht verstanden, in das Gewebe ihrer frivolen Scherze herab-zuziehen wagten, erregt nur noch Bedauern und Indignation, undselbst jene beschränkte Denkart einiger tonangebenden Philosophenin der letzten Hälfte des 18. Jahrhunderts, die von jeder Größegar zu gern etwas abhandeln und das Ungemeine gemein machenmöchte, hat höheren Ansichten weichen müssen. Die Romane, dieBenturini u. a. m. neuerdings aus dem Leben Jesu machen woll-ten, sind, gelinde beurtheilt, nur mißlungene Versuche, und derStreit, der noch jetzt mit Wahrheitsliebe und Scharfsinn über dieWunder Jesu geführt wird, kann seiner Würde nichts nehmen, da ,unsre Zeit in seiner Lehre und der sittlichen Größe seines Geistertiefere Gründe findet, ihn als den Sohn Gottes anzuerkennen. !Seine Verehrer haben daher nicht Ursach zu fürchten, daß er je ver- ^gefsen werden könnte. Die gebildetsten Völker der Erde kennen §kein größeres Glück, als ihm anzugehören, mehr als der zehnte >Theil aller Erdbewohner nennt sich nach seinem Namen, unter §allen Himmelsstrichen weiht man ihm die heißesten Gefühle der An- ^dacht, spricht man mit Dank und Begeisterung von seinem unend- .lichen Verdienste um das Menschengeschlecht, und da seine Religion ldas Eigne hat, daß während der Unwissendste und Niedrigste im ^Wolke sich ihrer Segnungen trösten darf, auch der Gebildetste u»d !Vornehmste nicht mehr werden kann als ein Christ, so steht zu >hoffen, sie werde eher als jede andere zur Herrschaft über die ge-sammte Menschheit fortschreiten. L. .
Joachim Murat ward im niedrigen Stande zu la Bastide«m 25. März 1770 geboren. Obwohl als Knabe wild und unbän-dig, hatten ihn, Armuths wegen, seine Eltern dennoch zum geist-lichen Stande bestimmt und nach Toulouse gebracht, damit er dortdie nöthigen Kenntnisse sich erwerbe. Seine Neigung iblieb jedochvorzugsweise auf den Soldatenstand gerichtet, darum trat er alsgemeiner Chasseur in das Ardennen-Regiment. . Eben befand sichMurat auf Urlaub in seiner Heunaty, als die Revolution aus-brach und alle Feuerköpfe exaltirte, Auch der junge, schön gewach-sene Murat eilte nach Paris, und ward als Cavallerift unterLudwigs XVI. konstitutioneller Garde angestellt. Als durch denMevolutionssturm jenes Corps aufgelöset und der Krieg erklärtworden war, trat Murat als Unterlieutenant zu den Ehasseurs,und diente bei der westlichen Pyrenäen-Armee als guter Kavallerist.
In den nächsten Jahren arbeitete er sich bis zum Brigade-Chef ,hinauf; Bon aparte machte ihn im ersten italienischen Kriegezu seinem Adjudanten, und nun zeichnete sich Murat nicht nurdurch kühnen Muth, sondern vorzüglich durch unbegrenzte Ergeben-heit gegen seinen General aus. Bonaparte wußte dies zuschätzen. Er sandte Murat von Campo Formio voraus nach Ra-stadt, um das Terrain dort zu studiren, und blieb mit seinen ^
Diensten auch in dieser intrikaten Angelegenheit sehr zufrieden. ^
Man schickte ihn bald darauf zu der Armee nach Rom, wo er sich f
zur Zeit der Revolte befand und mit Joseph Bonaparte zu- r
sammenwirkte, auch einer der Generale war, welche die Aufrührer I
in der Nachbarschaft der Stadt zu Paaren trieben. Mit Bona- i
xarte ging er dann nach Aegypten und Syrien. In der Schlachthei Abukir, als die Türken die Festung schon eingenommen hatten,