222 Johann Friedrich Johann Adolph
den übrigen Häuptern des Bundes Zwistigkeiten gehabt hätte. Derauf den Churfürst aufs äußerste erbitterte Kaiser verband sich dar-auf noch näher mit dessen Vetter, dem Herzoge Moritz von Sach-sen , raubte ihm den größten Theil der sächsischen Lande, nahm ihmin der Schlacht bei Mühlberg rZ4/ gefangen und entsetzte ihn derChurwürde. Der unglückliche Fürst mußte dem Kaiser als Gefan-gener überall nachfolgen, und erhielt nicht eher seine Freiheit undeinige Besitzungen wieder, als bis der neue Churfürst Moritz selbstmit dem Kaiser uneinig geworden war, und ihn 1Z02 mit Kriegüberzogen halte. Nach Moritzens Tode machte Johann Friedricheinige Versuche zur Wiedererlangung der Churwürde; allein erkonnte nichts ausrichten, und starb bald darauf 16S4. Man ta-delte nicht ohne Grund an ihm, daß er auf die gefaßten Meinun-gen zu hartnäckig bestanden, und gegen seine treuesten Bundesge-nossen zu wenig nachgiebig gewesen sey. Hätte er sich überwindenkönnen, dem tapfern Landgrafen Philipp von Hessen das Kom-mando der schmalkaldischcn Bundesarmee allein zu überlassen, sowürde mehr Ordnung und Einheit in dem ganzen Unternehmen ge-herrscht, und das Kriegsglück vielleicht eine günstigere L-endunzgenommen haben.
Johann Adolph, Herzog zu Sachsen-Querfurt und Weis-senfels, ward am 4. Sept. 16ZZ geboren und durch seine besondersglücklichen Naturanlagen, verbunden mit einer vortrefflichen Erzie-hung unter Leitung wackerer Männer, in den Stand gesetzt, bereitsim vierzehnten Jahre seine Reisen anzutreten. Er ging über denHarz durch die Niederlande nach Paris, wo er ein ^,ahr blieb, und -darauf, als eben der spanische Successionskrieg ausgebrochen war,nach Weissenfels zurückkehrte. Früh schon hatte sich in JohannAdolph eine Neigung zum Kriegsdienste gezeigt: die jetzige Veran-lassung, dieselbe zu befriedigen, ward daher mit Eifer von ihm er-griffen. In Begleitung des Obristwachtmeisters von Bünau ging«r als Capitain zu den am Niederrhein stehenden hessischen Trup-pen, wo er bald Gelegenheit fand, sich auszuzeichnen und seine an-geborncn kriegerischen Talente zu entwickeln. Als man bei demSturme, welcher 1702 auf Lüttich unternommen wurde, JohannAdolph unter dem Commando, welches den ersten --»griff thun soll-te, wegnehmen wollte, um sein Leben nicht in ll'efahr zu setzen;so stellte sich unser junger Held, trotz aller Vorstellungen, die manihm machte, an die Spitze seiner Grenadiere, sprang über die Pal-lisaden in die Contrescarpe, brach in die Citadelle ein und halfdie darin befindliche Besatzung zu Kriegsgefangenen machen. Die-ser erste ausgezeichnete Beweis seines Muths erwarb ihm die Ach-tung Marlboroughs und" der übrigen Heerführer, welche sich imkommenden Feldzuge (170Z), wo er bei der Belagerung von Bonnam Backen verwundet wurde, noch vermehrte. Welche Erwartungdurfte man von den einstigen Thaten eines Prinzen hegen, derschon so früh in einer so vortrefflichen Schule gebildet worden war,und der bereits im siebzehnten Jahre so ausgezeichnete Beweisefeiner Tapferkeit gegeben hatte. Im folgenden Jahre machte erunterEugen und Marlborough den Feldzug in Baiern mit, wohnte der be-rühmtenSchlacht beiHochstädt bei und wurde zum ^bristen derHessilchenKruppen ernannt. Als im 1 .170S diese Truppen nach Italien beordertwurden, gab I. Adolph abermalige Beweise seiner hervorragenden Ta-lente, indem er an der Spitze seines Regiments die Franzosen, die mir