2Zo Johannes der Täufer Johannes der Evangelist
ihm aber bei der Taufe, durch die sich Jesus von ihm im Jordaneinweihen ließ, dessen höhere Sendung offenbar worden war, wieser seine Schüler zu diesem neuen Lehrer und sah ohne Neid wie seinWort: er muß wachsen und ich muß abnehmen, in Er-füllung ging. Für sich selbst begehrte er keinen Ruhm und keineweiter» Erfolge, nur das Recht die Wahrheit zu reden wollte erbehaupten, und wurde daher, weil er sie einem Fürsten gesagt, dasOpfee derselben. Einem rachsüchtigen Weibe zu gefallen ließ derVierfürst Herodcs Antipas in Galiläa ihn im Gefängnisse hinrich-ten. Eine Anzahl seiner Jünger blieb ihm noch im Tode getreuund von ihnen wurde ohne Zweifel die unter dem Namen Sabieroder Johannischristen im Orient am Irak und Shustcr noch jetztbestehende 8ecte gestiftet, der der Täufer Johannes ein Gegenstandbesonderer Verehrung ist. Vergl. d. Art. Sabier. bl.
Johannes der Evangelist ist unter den Charakteren deschristlichen Alterthums einer der reinsten und liebenswürdigsten. Aufden Ruf Jesu verläßt er als ein Jüngling seine Fischcrnetze undfolgt dem göttlichen Lehrer von Stund an mit unwandelbarer Treue.Nicht nur auf seinen Reisen ist er immer um ihn und in allen Lagensein nächster Vertrauter, sondern auch da die andern Jünger fliehenbegleitet er Jesum vor Gericht und unter das Kreuz, wo ihn dersterbende Freund an seiner Stelle für den Sohn und Pfleger Marienserklärt. ' Darum heißt er mit Recht vorzugsweise der Jünger, denJesus lieb hatte; so hatte er keinen geliebt, so hatte aber auch ihnkeiner geliebt. Das sanfte, zarte, sinnige Gemüth, das aus denSchroten Johannis spricht, war vor andern geeignet den Herrnganz zu verstehen und bewundern wir schon den Schwung, mit demsein Evangelium anhebt und den bündigen, tiefen Zusammenhangin dem die Begebenheiten darin zu dem einigen Zwecke, den Glau-ben an Jesum zu begründen, geordnet sind, redet der Geist derächten christlichen Liebe nirgend wärmer und inniger zu uns als inseinen Briefen; so haben wir wol auch Ursache anzunehmen, daß anihm im höchsten und eigentlichen Sinne erfüllt worden sey, was Je-sus den Seinen verheißt: Wer mich liebt, den wird mein Vaterlieben, und ich werde ihn lieben und mich ihm offenbaren. DieOffenbarung Johannis ist das Werk der feurigsten christlichen Be-geisterung, freilich in den Farben des Orients aber darum nichtweniger des Jüngers würdig, der die Kirche seines Herrn im Her-zen trug und ihre künftigen Schicksale in einem Lichte sah, das nichtjedem zu schauen vergönnt ist. Auch wurde Johannes, dessen ersteJünglingsgesühle an der Brust Jesu erwacht waren, alt'genug, umvon der B.rgangenheit auf die Zukunft schließen zu können. Ertheilte die Arbeiten und Leiden der Apostel, lebte in Ephesus, eineZeitlang in der Verbannung auf Patmos, vielleicht auch in Rom,und starb endlich hochbctagt in der ihm vor andern theuern Ge-meinde zu Ephesus. Der Kirchenvater Hieronymus erzählt aus sei-nen letzten Lebensjahren einen rührenden Zug. Da es ihm wegenAltersschwäche nicht mehr möglich war, ausführlich zu der Gemeindezu sprechen, so ließ er sich doch stets in ihre Versammlungen tragenund rixf ihnen so oft er kam die Worte zu: Kinder, liebeteuch unter einander! Endlich befragt, warum er diesen Zurufunabläßig wiederhole und nichts andres und neues sage, antworteteer: Weil das des Herrn Gebot ist, und wird das erfüllt, so >stes genug. L.