Band 
Fünfter Band. Von I bis L.
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Jude Juden 255

so nennt ihn die Sage, ruhen wollte, stieß dieser ihn weg und ver-wünschte ihn. Jesus ober erwiedert ihm Mit stillem Blick: dusollst nnn wandern auf Erden bis ich wiederkomme.Erst nachdem der Zug vorüber und die Straßen leer sind, kömmt derbestürzte Jude zu sich s.lbst und getrieben von Reue und Sehnsuchtwandert er auf Geheiß des Herrn seitdem in ewiger Unruhe vonOrt zu Ort und hat bis diesen Tag sein Grab nicht finden können.Diese Strafe des Unglaubens und der Herzenshärtigkeit, zu einemimmerwährenden Wandern auf Erden und zum Zeitgenossen allerJahrhunderte verdammt zu seyn, war bedeutsam genug, um diechristlichen Dichter anzuregen. Mehrere haben sich nach dem Vor-gänge der Legende an diesem Stoffe versucht. Unter den neuern be-handelt ihn A. W. Schlegels Romanze, die Warnung, in seinemMusenalmanach auf 1802, und Göthe giebt im dritten Theile seinesLebens eine mit Geist und Humor componirte Skizze zum Besten,in der Ahasverus als ein socratisirender Schuster zu Jerusalem er-scheint , der sich dem Heilande im Charakter einer kalten, nur aufdas Zeitliche gerichteten Verständigkeit entgegenstellt und dafür ver-wünscht wird, sich so lange in der Welt, die ihm die einzige ist,umherzutreibcn, bis ihn der Sinn für die höhere aufgegangen sey»würde. Wir mögen nun entweder nach dieser ingeniösen Idee indem Schicksale des ewigen Juden das Loos jener rauhen, für allesHimmlische und Heilige unempfänglichen Sinnesart der sogenanntenVerstandesmenschen erkennen oder ihn im Sinne der christlichen Le-gende als den Repräsentanten seines in alle Gegenden der Evde zer-streuten, nirgends recht einheimischen Volks betrachten; der Aufbe-haltung und des öftern poetischen Gebrauchs wird diese Sage immerwerth erscheinen. L.

Juden werben die Hebräer nach dem babylonischen Eril mitRecht genannt, denn da ein großer Theil dieses Volks während derGefangenschaft in den mittleren und östlichen Provinzen der persi-schen Monarchie ansässig geworden war, kehrten nur 42,860 Män-ner mir ihren Familien meist von den Stämmen des alten -König-reichs Juda mit Erlaubniß des Cyrus (I. 5Z6 v. Chr.) in ihr Va-terland zurück und gründeten einen neuen von den Persern abhängi-gen doch im Innern der Leitung eigner Hohcrpriester und Aeltestennach der mosaischen Constitution überlassenen Staat in Judäa. Je-rusalem , der Tempel und die Ackerstädte des Landes wurden nichtohne Hindernisse wieder aufgebaut, die Schriften Moses, der Histo-riker und Propheten zu einer Lempelbibliothek, aus der der Kanonunsres A. Testaments entstanden ist, gesammelt, die große Syna-goge von" 120 Gelehrten zur kritischen Bearbeitung und Auslegungder heiligen Schriften und für jeden Ort einzelne Synagogen, Schu-len zur Vorlesung des Gesetzes und zur Bildung des Volks, gestiftet.Doch alle diese Anstalten, durch die Esra und Rehemia dieWiederherstelle»: ihrer Nation wurden, vermochten nicht den achtenMosaismus ins Leben zurückzurufen. Der Geist dieser Gesetzgebunggehörte einer andern Zeit und andern Verhältnissen an, die neuernJuden konnten nur den Buchstaben davon festhalten und sich bei ih-ren Auslegungen in die Grübeleien verlieren, die sie den Chaldäernabgelernr harten. An Uebung und Anstelligkeit für den Erwerbübertrafen sie aber ihre Vorf-Hren. Ihr Handelsverkehr und dielährlichen Festreisen zum Tempel, dem jeder Jude eine Abgabe ent-richten mußte, häuften unter der milden persischen Regierung Reich-