Juden 2Zy
offen Jahrh, eigne Gassen und geschlossene Plätze (noch jetzt Judengaffen
alte genannt) ein, wodurch in den Verfolgungen während der Kreuzzüge
eichs oft Tausende auf einmal Opfer der Volkswuth wurden. Wieder-
Eril holte kirchliche Synodalbeschlüffe und landesherrliche Dccrcte erklär-d die die Juden für unfähig zum Mitgenuffe der bürgerlichen Rechte
> de» her Christen und zur Bekleidung öffentlicher Aemter. Einheimisch,
sende ansäßig, irgend einer christlichen Zunft oder Innung zugethan, solltendüng sse nirgends seyn, sondern nur gegen Erlegung gewisser Abgaben
>lle», den unmittelbaren Schutz der Landesherren genießen, die sie in Geld-
! von Verlegenheiten einmal über das andre nöthigten, die Fortdauer die-
dazu. fes precären Vertrags zu erkaufen. In Deutschland wurden sie als
npcl- des heil. römischen Reichs Kammerknechte (Gcldaqcnten) wie
wie- s^ ein kaiserl. Gchutzbricf nannte, geschützt. Ihre Bekehrung zum
lln- Christenthums konnte bei einer so inconsequenten Behandlung nicht
lerer- gelingen, zwar gaben sie bisweilen, wie besonders am Ende des
des röten Jahrh, in Lpanien und Portugal der Gewalt nach und ließen
> bis sich in Masse taufen, war aber der Sturm nur vorüber, so sah
land, nmn ste wieder in den Synagogen. Ja sie konnten bei dem Aber-
rikvt glauben des Mittelalters , dessen Heiligen - und Reliquienverehrunz
netm ihnen als Abgötterei erscheinen mußte, wol auf den Gedanken kom-
l der men, daß ihr reiner Monotheismus Vernunft- und schriftmäßiger
alten sey. Daher und aus ihrem Stolze auf das Alterthum ihrer Nation
eran- und Verfassung ist erklärlich, wie viele öffentlich zum Ehristenthume
d als Uebergetcetene, die in Portugal neue Christen heißen, zu adlichem
nnien Range, ja selbst zu hohen geistlichen Wurden gelangen konnten ohne
isam- jn ihrem Privatleben etwas andres zu seyn als Juden, die die mo->
dievß saischen Gebräuche gewissenhaft zu beobachten fortfuhren. Die por-
ihm tugiesische Judenschaft ist wegen ihrer Verbindung mit diesen heim-
a der listen Anhängern vorzüglich angesehen und im Besitze be-deutender
ihr» LLndereien; die holländischen Juden waren sonst durch unermeßliche
efalli Reichthümer so wie durch eine gewisse Rechtlichkeit ausgezeichnet;
mwer die polnischen und russischen, jetzt die zahlreichsten unter allen, hat-
g der ten sich ehedem fast alles Handels, der Gastgerechtigkeiten, des
ötaa- Bier - und Branntweinschanks, ja hier und da sogar der Postanstalt
i und bemächtiget; den deutschen blieb bei dem Wachsthum der deutschen
alte» Handelsstädte und Innungen meist nur die Nachlese des Kleinhan-seltm dels. Gleich sind sich die Juden aber unter allen Himmelsstrichen,
und ihre Beschränkung aus Gewerbe, die mehr List und Gewandtheit
ahrh. als ausdauernden Fleiß erfordern, hat ihrem Charaetcr die Zügedoch eingeprägt, durch welche sie so oft ein Gegenstand der Verachtunggegen wurden. Die einzelnen Edlen, die sich in neuern Zeiten als Gelehrte,
r ihr Philosophen oder Aerzte unter ihnen hervorgethan haben, wie
ß du Spinoza, Moses Mendelsohn, Moses Kuh u. s. w., gehören durch
d du den Weg, den ihre Bildung nahm, mehr den Christen als ihrem
Vor- Volke an. Das Gros der Juden durch ein unstätes Leben vcrwil-
isung dcrt, im täglichen kleinlichen Treiben des Eigennutzes befangen und
u dr- zur Erduldung des Spottes der bevorrechteten Christen gezwungen,
konnte nicht Ginn für die edlen Gedanken und Gefühle haben, dielisten den Menschen im Staate erheben und zu gemeinnützigen Thaten an-
Aw feuern. Ohne Ehre, Vaterland und Freiheit glaubte der gemeine
s , ffss> durch die Künste des Betruges und der Lüge nicht tiefer
ihres herabzuwürdigen, als er schon stand. Erst in der philosophischen
ram- Stimmung der letzten Hälfte des igtcn Jahrh, begann man neben
iitcn andern Mcnschenrechten auch die der Juden, anzuerkennen; philan-