Iugurtha 261
Freundschaft der Tcissko. Schon vorher hatte er fich die Zuneigungaller Nuniidier zu verschaffen gewußt; jetzt, nach seiner Jurückkunft,beteten sie ihn beinahe an, und selbst Micipsa änderte seine Gesin-nung gegen ihn, und suchte durch Güte ihn an sich zu fesseln. Ernahm ihn daher an Kindes Statt an, und erklärte ihn mit seinenbeiden Söhnen zum gemeinschaftlichen Erben seiner Krone. Nochauf seinem Todbette ermähnte er ihn zur Freundschaft und Treuegegen seine, durch brüderliche Bande mit ihm verbundenen Söhne;diesen aber befahl er, dem Iugurtha mit Ehrerbietung zu begegnenund seinen Tugenden nachzueifern. Iugurtha antwortete dem ster-benden Könige ganz so, wie es dieser nur wünschen konnte, ob ergleich damals schon den Entschluß gefaßt hatte, sich zum Alleinherr-scher von Rumidicn zu machen. Bald nach dem Tode des Micipsamachte er Anstalt, diesen Entschluß auszuführen, und es gelangihm, den Hiempsal in der Stadt Thirmida zu ermorden, und seinenBruder Adherbal aus dem Lande zu jagen, indem er sich fast fein»«ganzen Antheils an Numidien bemächtigte. Auf die Nachricht, daßAdherbal nach Rom gegangen sey, schickte er auch Gesandte dahinab, um durch Bestechungen die Schritte desselben zu vereiteln. Diesglückte ihm auch wirklich über Erwarten. Der größte Theil desSenat- erklärte fich für Iugurtha, und suchte sein Verfahren zurechtfertigen. Es wurden zehn Bevollmächtigte, ernannt, um Nu-midien zwischen Adherbal und Iugurtha zu theilen, und über denTod des Hiempsal an Ort und Stelle Erkundigung einzuziehen.Auch diese Bevollmächtigten wußte Iugurtha ganz für sich zu ge-winnen. Sie erklärten die Ermordung des Hiempsal blos für Ge-genwehr, und gaben bei der Theilung dem Iugurtha die reichstenund schönsten Provinzen. Kaum waren die Bevollmächtigten abge-reiset, als Iugurtha, um den Adherbal zum Kriege zu reizen, in dieGrenzen seines Antheils feindlich einfiel und daselbst die schrecklich-sten Verwüstungen anrichtete. Allein Adherbal blieb schlechterdingsbei allen Beleidigungen ruhig. Wollte also Iugurtha seinen Zweckerreichen; so durfte er nicht weiter auf Vorwand zum Kriege war-ten. Er brach demnach von neuem mit einer zahlreichen Armee indie Länder des Adherbal ein, und nöthigte diesen nun mit Gewaltzur Gegenwehr. Bei der Hauptstadt Cirtha kam es zu einem Tref-fen, in welchem Adherbals Armee fast ohne allen Widerstand ge-schlagen und zerstreut wurde. Adherbal fand haum Mittel, nachCwtha zu entfliehen, wo er von Iugurtha belagert wurde. Wäh-rend der Zeit bot sich dem Adherbal Gelegenheit dar, einen Briefnach Rom zu übersenden, worin er seinen unglücklichen Zustandschilderte. Dennoch verhinderten die Freunde Jugurtha's, daß maukeine Armee, sondern wiederum nur Bevollmächtigte nach Numidienabgehen ließ. So kam es, daß der Zweck dieser Sendung abermalsnichts entschied, sondern daß vielmehr Adherbal der Willkühr seinerFeindes überlassen wurde. Dieser belagerte nun Cirtha mit demstärksten Nachdrucke, und nöthigte den Adherbal zur Ucbergabe. Un-geachtet seines Versprechens, ihm das Leben zu schenken, ließ er ihnm Verhaft nehmen und auf die unmenschlichste Art ermorde». Dieseschändliche That Jugurthas siegte endlich bei dem römischen Genateüber die Bestechungen desselben. Das Volk verlangte nun selbst,daß man ernstliche Maasregeln gegen ihn nähme, und der Senatbeschloß, mit dem folgenden Jahre den Krieg «nzufangen. DieserKrieg wurde dem Nonsul L. Calpurniu» Piss aufgetragen, einem