Jugurtha Julia 26z
thigt, sich auf einen Berg zurückzuziehen. Hier umschlossen ihn dieFeinde, und überließen sich , in der sichersten Erwartung eines voll-ständigen Sieges, dem Ausbruche der unmäßigsten Freude. Da sieaber, vom Lanzen und Schmausen ermüdet, sich eben dem Schlafeüberlassen wollten, stürzten die Römer vom Berge auf sie herab,und schlugen sie nach einer gräßlichen Niederlage völlig in die Flucht.Bier Tage nachher thaten Jugurtha und Bocchus einen neuen An-fall , weil sie die Römer in völliger Sorglosigkeit zu finden hofften.Aber Marius empfing sie so tapfer, daß beinahe ihre ganze Armeevon 90,000 Mann niedergehauen wurde, obgleich Jugurtha selbstmit bewunderungswürdiger Tapferkeit gefochten hatte. Der mau-ritanische König Bocchus schloß nun Frieden mit den Römern, undverließ den Jugurtha. Ja, als Sylla nachher als Gesandter zu ihmkäm, ließ er sich sogar von ihm bereden, den Jugurtha zu sich zulocken, und ihn den Römern zu überliefern. Unter dem Borwande,zwischen ihm und den Römern einen Frieden zu vermitteln, brachteman ihn an den Hof des Bocchus. Hier wurde er gefangen ge-nommen und dem Sylla überliefert, der ihn in Ketten legen undnach Eirtha zum Warius führen ließ. Der Krieg war nun been-digt, und Numidien in eine römische Provinz verwandelt. MariuSzierte seinen Triumph mit dem gefangenen Jugurtha und dessenbeiden Söhnen. Nachdem dieser bei dieser Gelegenheit auf einegrausame Art vom Pöbel gemißhandelt worden war, warf man ihnin einen finstern Kerker, wo er nach sechs Tagen des Hungertodesgestorben seyn soll. Einige Schriftsteller erzählen, er sey gleichnach geendigtem Triumphe im Gefängnisse hingerichtet worden.Seine beiden Söhne blieben in der Gefangenschaft zu Venufium.
Julia, die durch ihre Ausschweifungen so berüchtigte einzigeTochter des Kaisers August und der Scribonia, besaß große An-nehmlichkeiten im Umgänge, eine nicht gewöhnliche Schönheit undeinen sehr ausgebildeten Geist. Zuerst wurde sie mit dem ältestenSohne des Antonius, Anfyllus, versprochen. Da aber diese Ver-bindung nicht zu Stande gekommen war, so heirathete sie den jun-gen Marcellus, den Sohn der Octavia, welchen diese von ihrem er-sten Gemahle bekommen hatte. Als dieser bald darauf verstorbenwar, ward sie die Gemahlin des M. Bipsanius Agrippa, welchemsie drei Söhne, den Casus, Lucius und Agrippa, desgleichen zweiTöchter, die Julia und Agrippina, gebar. Schon bei Lebzeiten die-ses ihres'Gemahls führte sie eine so ausschweifende Lebensart, daßdieser darüber keinen geringen Kummer empfand. Da Agrippabereits bei Jahren war, so überließ sich Julia den Umarmungenaller jungen Männer Roms. Nach ihrer Meinung brauchte sie ih-rem Gemahle nur in so fern treu zu seyn, als sie ihm kein frem-des Kind in die Ehe brächte. Ganz Rom kannte ihre Ausschwei-fungen; August allein war nicht davon unterrichtet. Nach desAgrippa Tod« vermählte sie ihr Vater mit dem Tiberius, der zwarihre Aufführung sehr wohl kannte, aber doch dem Willen des Kai-sers sich nicht zu widersetzen wagte. Julia ließ sich nun aber durchdiese neue Heirath so wenig in ihren gewohnten Ausschweifungenstören, daß Tiberius, der eben so wenig Zeuge, als Ankläger der-felben beim August seyn wollte, gezwungen wurde, um beidem aus-zuweichen , den Hof zu verlassen, Ihre Schaamlosizkcit vermehrtesich nun von Tag zu Tag immer mehr, und ging am Ende so weit,»aß sie jeden Morgen der Statüe des Mars so viele Kronen auf-