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Jung Junius Briefe 271
nur unentgeldlich wiedergegeben, sondern viele von ihnen noch be-schenkt und auf seine Kosten während ihrer Kur im Wirthshauseerhalten. Das zuletzt erschienene Produkt seines Geistes sind:Erzählungen, mit einer Vorrede von Ewald Wir.könnenübrigens nichts Besseres thun, als unsere Leser ausdle schöne Cha-rakteristik dieses merkwürdigen Mannes verweisen, welche Göthe(aus meinem Leben, sr Th,, S. Z/Z ff. und S-489), der ihn nebstHerder in Straßburg als Jüngling kennen lernte, und ihm sehrbefreundet ward, von ihm aufgestellt hat. Wir führen nur derHauvtzüge an: ,, Wenn man ihn näher kennen lernte, so fandman an ihm einen gesunden Menschenverstand, der auf dem' Ge-müth ruhte, und sich deswegen von Meinungen und Leidenschaftenbestimmen ließ, und aus eben diesem Gemüth entsprang ein En-thusiasmus für das Gute, Wahre, Rechte, in möglichster Reinheit."Das Element seiner Energie war ein unverwüstlicher Glaube anGott und an eine unmittelbar von daher fließende Hülfe, die sichin einer ununterbrochenen Vorsorge und in einer unfehlbaren Ret-tung aus aller Roth, von jedem Uebel augenscheinlich bestätigt.Diesen Glauben hatten seine Schicksale in ihm erweckt. Seineinnerlichsts und eigentlichste Bildung aber hat er jener ausgebrei-teten Menschenart zu danken, welche auf ihre eigene Hand ihrHeil suchte, und indem sie durch Lesung der Schrift und wohlge-meinte Bücher, durch wechselseitiges Ermähnen und Bekennen zuerbauen trachtete, dadurch,einen Grad von Cultur erhielt, derBewunderung erregen mußte. Weil er in seiner Art sich zu äußerneinem Nachtwandler glich, den man nicht anrufen darf, wenn ernicht von seiner Höhe herabfallen, einem sanften Strom, dem mannichts entgegenstellen darf, wenn er nicht brausen soll; so mußteer sich in größerer Gesellschaft oft unbehaglich fühlen. Sein Glau-be duldete keinen Zweifel, und seine Ueberzeugung keinen Spott,und wenn er in freundschaftlicher Mittheilung unerschöpflich war,so stockte gleich Alles bei ihm, wenn er Widerspruch erlitt. Dastreue, redliche Streben dieses Mannes mußte jeden, der nur ir-gend Gemüth hatte, fröhlich intercssiren, und seine Empfänglich,keit jeden, der etwas mitzutheilen im Stande war, zur O ffenheitreizen. Jungs Umschränktheit war von so viel gutem Willen, seinVordringen von so viel Sanftheit und Ernst begleitet, daß einVerständiger gewiß nicht hart gegen ihn seyn, und ein Wohlwollen-der ihn nicht verhöhnen noch zum Besten haben konnte. Jungwar durch Herder dergestalt exaltirt, daß er sich in allem seinenThun gestärkt und gefördert fühlte.
Junius Briefe. Unter dem Namen: Junius ist noch bisletzt der Verfasser einer Reihe von Briefen über politische Gegen-stände verborgen, deren erster to tUs Printer ok tlrs kndlio A.U-vortiser vorn 3 i. Jan. 1769 , der vorletzte to tlls lb,orll düriek-lustics iVlanskielck vom 21. Jan. 1772, der letzte aber, to tlrs»Abt llonorsbls I.orck (lamäen, ohne Datum, gerichtet sind. Sieenthalten eine strenge, wiewol, selbst nach dem Urtheile einigerMitglieder der Ovposition, nicht ganz unparteiische Reihe der Ber-brechen der damaligen Staatsverwaltung, sind mit vieler Sach-tenntmß abgefaßt und geboren in Rücksicht des Styls zu den Mei-irerwerken der Englischen Prosa. Daher machten sie auch bei ih-rer ersten Erscheinung eine unglaubliche Sensation. Die Regie-rung wollte den Verfasser derselben zur Verantwortung ziehen, und