s88 Justinianus
Lite! Nobilissimus ertheilte. Sein Onkel, vor Alter schwach undan einer empfangenen Munde leidend, legte gewissermaßen die Re-gierung nieder. Doch wurde Justinian erst am i. llug. Z 27 , nachJustins Tode zum wirklichen Ausser ausgerufen. Jetzt verhcira-thete er sich mit der berüchtigten Lheodora , l welche er liebte undaus dem Stande einer chauspielerinrr und öffentlichen Bublerinnauf den kaiserlichen Thron hob. Sie mußte sich, theils durch ihreKünste, theils auch durch ihr wirkliches Verdienst, eine unum-schränkte Herrschaft über den Geist ihres Gemahls zu verschaffe».Unter seiner Regierung erhoben sich die Parteien des Circus mitErbitterung gegen einander und veranlaßten, unter dem Namen derBlauen und Grünen, durch ihre nichtswürdigen Streitigkeiten meh-rere Mordscenen zu Constantinopel. Justinian schien durch ei»öffentliches Edict des ersten Antlchlusses zu seyn, die Unschuldigenzu beschützen und die Strafbaren der Strenge des Gesetzes zu über-liefern, ohne dabei auf die Farbe Rücksicht zu nehmen, und den-noch begünstigte er unter der Hand die Blauen. Durch die ge-waltsamen Mittel, welche er anwandte, den entstandenen Aufruhrzu stillen, fachte er denselben nur noch immer mehr an, und eineFeuersbrunst, die in Folge des ufruürs ausbrach, legte den größ-ten Theil von Constantinopel und seine schönsten Gebäude in dieAsche. Justlnians Leben selbst schwebte in Gefahr. Schon auf demPuncte, die Stadt zu verlassen, ward er von Lheodorens Muthund Festigkeit zurückgehalten. Nachdem durch Ströme von Blutund durch eine ungeheure Menge Hinrichtungen die Wuth der Fa-ctionen gestillt war, endigte Justinian den Krieg mit den Zsau-riern und erkämpfte in den Jahren Ssg, Z 42 und S 4 Z durch seine»General Belisarius drei berühmte -Siege über die Perser. Dieserzerstörte auch 53g. das Reich der Wandalen in llsrica und führteGilimer, den n'önig derselben, gefangen nach Constantinopel. Spa-nien und ricilien wurden wiedereroberr, dieOstgothen, dreiJtalienbesaßen, überwunden; ja, Belisarius drang sogar im I. 536 i»Rom ein, und der Eunuch Rarses, ein anderer General des Zu-stinian, machte dem Reiche der Ostgothen in Italien 553 ein völ-liges Ende. Diese Eroberungen gaben dem römischen Reiche eine»Theil seiner vorigen Ausdehnung wieder. Nachdem Justinian nunvon innen und von außen die Ruhe hergestellt hatte, wandte erseine ganze Aufmerksamkeit auf die Gesetze, welche seit langer Min außerordentlicher .Verwirrung gehandhabt worden .warern. Ergab zehn Rechtsgelehrten, welche er unter den geschicktesten aus-gewählt hatte, den Auftrag, nach seinen eignen und nach den Ge-setzen seiner Vorgänger einen neuen Eodex zu entwerfen. DiestsGesetzbuch wurde in zwölf Bücher abgetheilt und die Materie dannnach ihrem verschiedenen Inhalte von einander abgesondert. Dabeihaben jedoch wissenschaftliche Rechtsgelehrte dem Lribonian, deran dem Entwürfe dieses Codex den vorzüglichsten Antheil hatte,den Borwurf gemacht, er habe bei Bertheiiung dieser Materien ei-nen mangelhaften Plan befolgt. So handelt er z. B. von de»Formalitäten als gerichtlichen Verfahrens, ehe er von den Gegen-ständen gesprochen hat, welche demselben vorausgehen müssen. Ausdiesen Codex ließ Justinian folgen: die P änderten, eineSammlung von alten Rechtsentscheidungen, welche wenigstens >nzweitausend verschiedenen Werken zerstreut enthalten waren. D>eie ^Pandecten wurden zuerst zu Florenz im 2abre i5S3 in Folio u» >
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