Zi2 Kammerknechte Kamtschatka
mer ton bezeichnet diejenige Stimmung der Instrumente, die ei-gentlich an und für sich selbst schon hoch ist, aber doch noch immereinen ganzen Ton tiefer stimmt, als der Ton der ältern Orgeln zuseyn pflegt. Gewöhnlich muß man daher bei einer Kirchenmusik dieOrgelstimme um einen ganzen Ton tiefer spielen, als die begleiten-de Instrumentalmusik. Wenn das Stück, z. B., in Gdur gesetztist und die Instrumente auch wirklich aus diesem Tone spielen; somuß die Orgelstimme aus Gdur in Fdur transponirt, also um ei-nen ganzen Ton tiefer ausgeführt werden. Ehemals stand demKammertöne der Chorton entgegen, von welchem jener der hi-here, dieser der tiefere war: jetzt aber kennt man sowol für dieInstrumental- als für die Vokalmusik, nur eine Stimmung, undder Unterschied zwischen Kammer- und Chorton fallt also schon vonselbst weg.
Kammerknechte, kaiserliche, heißt so viel als kaiserlicheLeibeigene. So nannte man im Mittelalter die Juden. Dem christ-lichen Pöbel verhaßt, als Feinde Gottes, Zauberer und geheime Ur-sachen aller Landplagen betrachtet, waren sie es gewöhnlich, gegendie sich die, durch irgend einen Anlaß entzündete, fanatische Wuthkehrte; eine allgemeine Judenermordung hielt man für gleich ver-dienstlich mit einem Kreuzzuge. Der Kaiser, der ein Kopfgeld vonihnen zog und dem ihre stets gefüllten Kassen (denn sie waren biszum raten Jahrhundert im fast alleinigen Besitze des Handels) eineunentbehrliche Zuflucht waren, erklärte sie daher für seine Knechteund Schützlinge. A.
Kämpfer (Engelbrecht), ein berühmter Reisender, ward ami6. Sept. 16S7 Zu Lemgo geboren und erhielt von seinem Vater,der ein Geistlicher daselbst war, eine vortreffliche Erziehung. Nach-dem er zu Königsberg studirt hatte, machte er 168Z als Secrettrmit einer schwedischen Gesandtschaft eine Reise zu Lande durch Ruß-land nach Persien, besuchte daraus Arabien, Jndostan, Eoromandel,die Ufer des Ganges, Java, Sumatra, Siam und Japan, in wel-chem letzter» Lande er zwei Jahre verweilte. Im I. i6g-- kehrte erzurück, wurde in seiner Vaterstadt Leibarzt des Grafen von derLippe und starb darauf am 2. Nov. 1716. Unter seinen Schriftenverdient besonders genannt zu werden: Geschichte und Be-schreibung von Japan, Lemgo, »774. Dieses Werk, welchesallgemein geschätzt wird, war schon 1727 aus der Handschrift indas Englische übersetzt und zu London in zwei Foliobänden heraus-gegeben worden, worauf es 1774, von Dohm zum Druck besorgt,in deutscher Sprache erschien.
Kamtschatka ist eine Halbinsel, die von der östlichen KüsteSibiriens aus 180 deutsche Meilen lang und in der höchsten Breitevon 5 c> Meilen, südwärts in den Ocean hinein bis an die kurilischeuInseln sich erstreckt. Dieses nordöstliche Eside der alten Welt wurdeerst im I. 1696 durch einen gewissen M 0 sosk 0 , der mit -6 Ko-saken einen Aug dahin unternahm, genauer bekannt, und im fol-genden Jahre der russischen Krone zinsbar. Es ist für den Pelz-handel ausnehmend gut gelegen und hat in der Awetfcha-Bay vor-treffliche Häfen, auch ist es durch sein Klima (zwischen dem 5i u"°essten Grad n. Br.) keinesweges der, jetzt fast ganz vernaMW-ten Cultur unfähig; so daß bei liberalen und zweckmäßigen Maaß-regeln der Regierung, zu denen Krusenstern Vorschläge gethan hat,dort Handelsniederlassungen sehr gut gedeihen würden. Besonders