Z2o Kant
theoretischen Philosophie, Hamb. 1801, 2 Thle.). Bald aber sämmt-lich eine noch größere Schaar von Anhängern, und man muß, wasden größeren Theil derselben anlangt, fast gestehen, daß jene sichdurch ihre freieren Untersuchungen um die kantische Philosophie ver-dienter gemacht haben, als die Kantianer selbst, welche den groß»Meister in unzähligen Schriften oft sehr geistlos commentirten, unddurch leeres Geräusch mit seinen Formeln zu erreichen glaubten,oder nichts ernstlicher bestrebten, als aus seiner Kritik, ganz gegenden Sinn des Urhebers, ein System zu bilden, welches bei deingegebenen negativen Resultate derselben, und weil nur die Ver-stand es formen nebst den praktischen Gesetzen der Vernunft, alsdas eigentlich Philosophische der Erkenntniß zurückblieben, conft-gucnt durchgeführt nothwendig verunglücken, und in psychologisiieUntersuchungen über philosophische Gegenstände (Subiectivitäts-Phi-losophie) ausschlagen, oder sich in logischen Formalismus verlier»mußte. Daher, und weil Kant nach seiner zum Grunde gelegt»psychologischen Ansicht den Verstand zu sehr erhoben hatte, so vielegehaltleere und blos logische Bearbeitungen der einzelnen Wissen-schaften in der kantischen Schule, welche daraus entstanden, daßman den gegebenen Stoff der Wissenschaften, und die vorgefundene»Begriffe derselben, über den Leisten der aufgestellten Kategorie»schlug, als könne daraus eine gründliche Erkenntniß der Dinge ent-stehen ; daher jener geistlose Formalismus, welcher kaum in einerandern Schule so prosaisch aufgetreten war, und welcher Schiller'«das scharfe Wort entlockte: „wenn die Könige bau'», haben dieKärrner zu thun." Konnte aber selbst in der kantischen Schule derTrieb nach dem Dogmatismus nicht unterdrückt werden, um so niestmußte jenes negative Resultat der kantischen Lehre außer sein»Schule das Bedürfniß philosophischer Systeme erwecken, welche sonntdurch diese Untersuchungen Kant'S auf verschiedene, wenn auch nur ^negative Weise vorbereitet, zahlreicher, verschiedener und bedeutenderals vorher erschienen. So war es auch das Beschränkende der kri-tischen Untersuchungen, was die größten der neueren Philosoph»neben Kant, nämlich Fichte und Schelling, zur Aufstellungihrer Ansichten erweckte. Wenn also auch der Trieb nach systenia- >bischer Ansicht (Philosophie) über das Wesen der Dinge, und sonnt;auch in gewissem Sinne der Dogmatismus durch die kantische W-losophie nicht vertilgt werden konnte, so daß das Bedürfniß darnach,vielmehr nur immer dringender sich äußerte, je mehr man bei den»Schwanken der äußern Dinge, vorzüglich in der politischen Well,einen festen Standpunkt in dem Gebiete des Geistigen suchte, sowird doch Kant's scharfsinniger und feinerer Untersuchung das großeVerdienst bleiben, durch dieselbe den zu ihrer Zeit herrschenden ro-hen Dogmatismus in seine Schranken verwiesen, und einen kräfti-gen Ton in der Philosophie angestimmt zu haben; auch wird stekünftig jeden philosophischen Denker an eine sorgfältigere und um-fassendere Prüfung der Prinzipien seiner Ansicht warnend erinnern,und zu einer auf wahre Selbsterkenntniß (d. i. Erkenntniß der ei-genen Vernunft) gegründeten Philosophie, treffliche Winke und An-leitung geben. -Hierdurch vorzüglich verdient Kant die Verehrungder Nachwelt, welche sich schon auf mehrere Weise würdig gean-kert hat, so z. B. bei seiner am 22. Apr. zu Königsberg gehaltenenGedächtnißfeier (beschrieben, mit einem Kupfer und BildnisllKant'S, Königsberg -8rr, 8-), bei welcher man die aus cararischki»