Band 
Fünfter Band. Von I bis L.
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325
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Karschin Z25

entstanden nun ihre ersten, ohne alle Abweisung! gemachten Gedichte,die man, ungeachtet vieler Fehler, ldennoch nicht ohne Bewunde-rung lesen kann. Ihre Mutter, die sie zu nichts als zu einer gu-ten Hausmutter bilden wollte, nahm ihr oft die Bücher weg, undbestimmte sie endlich einem Tuchmacher zu Schwibus, Hirsekorn»zur Gattin. Die Tochter hatte den Bräutigam nie gesehen, wil-ligte gehorsam ein, und zog sich in der Ehe mit diesem geizigen,zänkischen und mürrischen Mann unabsehbare Qualen zu, die sicherst nach eilf Jahren durch eine Scheidung endigten, durch welchesie ihre ganze Mitgäbe verlor und in die äußerste Armuth versetztwurde. Sie irrte auf ein nahes Dorf, und lebte hier fast einZahr ganz hülflos. Um die durch die Scheidung erlittene Schmachihrer Tochter auszulöschen, beschloß die zur Unzeit sorgsame Mut-ter, sie mit einem Handwerker, Karsch, zu verheirathen. DerTochter gefiel dieser nicht im geringsten, ja sie haßte ihn sogarwegen seiner beständigen Trunkenheit; allein die Mutter drohte,und unsere Dichterin vereylichte sich zum zweiten Male. Nunward sie erst in eine wahrhaft traurige Lage versetzt. Ihr Mannverschwendete durch den Trunk sein ganzes Vermögen und das ih-rige; und sie wurde gezwungen, sich durch die Poesie den nöthig-sten Unterhalt zu verdienen. Sie machte daher, wo sie nur konnte,Gelegegheitsgedichte und Glückwünsche, reiste sogar viele Meilenweit im Lande umher, und declamirte aus dem Stegreif Verse»erwarb sich auch dadurch bald allgemeine Bewunderung,und vielesGeld, welches jedoch ihr Mann sogleich wieder verschwendete. Runwandte sie sich mit ihrem Mann von Fraustadt nach Großglogau;aber ihre Armuth nahm immer mehr zu; und ihr einziger Trostwar, daß sie in dem dasigen Buchladen classische Schriften studirenkonnte. Sie entfernte sich von ihrem Manne, und der Baron vonKollwitz war so großmüthig, sie 1761 in Berlin in sein Palais aufzu-nehmen und mit Kleidung und allen Bedürfnissen reichlich zu ver-sehn. Hier eröffnete sich die glänzendste Periode ihres Leb.ens.Lh,r Geist bekam einen neuen Schwung; man zog sie in die größ-ten Gesellschaften, und bat sie, Gedichte sogleich niederzuschreibenoder ohne alle Vorbereitung herzusagen , welches ihr jedes Malvortrefflich gelang. Ramler, Sulzer, Krünitz u. a. m. unterstütz-ten sie; Gleim gab ihre Gedichte 1/63 heraus, und verschaffte ihrdadurch 2voc> Thaler; sie bekam von dem Grafen von Stollberg-Wernigerode und Andern ansehnliche Jahrgelder: allein alles die-ses reichte nicht zu, sie selbst, zwei Kinder und ihren Bruder zuernähren. Friedrich II., der ihr eine Pension versprochen hatte,hielt nicht Wort; und als ihr einst 2 Thaler von ihm übersandtworden waren, schickte sie ihm dieselben mit den bekannten Versenzurück. Aber als Friedrich Wilhelm II. den Thron bestieg, ließrhr dieser ein großes-einträgliches Haus bauen. Allein sie konntedieses Glück nichr lange genießen, denn sie starb den 12. L-ct. 1791.zu Berlin an der Entkräftung. Zwar hat sie die musterhaftenneuern oder auch gleichzeitigen Dichter unserer Ration nicht erreicht,viele Stellen in ihren Gedichten sind alltäglich oder prosaisch; je-doch muß man, um gerecht zu seyn, bedenken, daß sie sich im An-fange bloß durch sich selbst und nach schlechten Mustern bildete, undbaß druckende Armuth sie nöthigte, mit der größten Geschwindig-Tag und Nacht Gedichte zusammenzusetzen. Ihre bessern Gei-sseswerke hat nach ihrem Kose 1732 ihre Tochter, die Frau von