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Europa
Kastenvogt Kästner 327
trachte. In Süddeutschland wurden fie 16S0, inNiedersachse»! abererst 1740 gebaut. Hier erschienen sie noch am Ende des siebenjäh-rigen Krieges in kleinen Quantitäten und als eine Seltenheitauf den Tafeln der Reichen.
Kastenvogt, Bogt, nelvocatirr. hieß im Mittelalter derje-nige Fürst oder andre Edle, dem der Schutz einer Kirche oder ei-nes Klosters übertragen war. Seine GeschLffte bestanden haupt-sächlich in Ausübung der weltlichen Gerichtsbarkeit über die Unter-thanen des Klosters, und in Anführung derselben, insofern sieheerbannspflichtig oder später lehnspflichtig waren. In ältern Zei-ten setzte der Kaiser die KastcnvLgte, nach Abgang der Karolingeraber maßten sich die Stifter an, sie selbst zu wählen und belehn-ten sie mit der Kastvogtei. Die Vögte mißbrauchten häufig ihreGewalt zu Bedrückungen der ihnen anvertrauten Stifter, daherdie Klagen dieser über sie durchs ganze Mittelalter sehr häufigwaren . IV.
Kästner, Abraham Gotthelf, (zuletzt geheimerJustizrath undProfessor der Mathematik zu Göttingen), wurde am 27. Sept.1719 ZU Leipzig geboren. Er besuchte nie eine öffentliche Schule,sondern ward theils von seinem Vater, theils von Privatlehrernunterrichtet. Schon von seinem zehnten Jahre an benutzte er diejuristischen Lehrstunden seines Vaters, der Professor in Leipzigwar und ließ sich bereits im eilften in einem ColleAio clirxutato-rio mit andern die Rechte studirenden Jünglingen ein, die aberweit älter als er waren. Eigentlicher Student ward er erst 176-,wo er sich mit besonder« Eifer auf Philosophie, Physik und Ma-thematik legte: besonders hatte, nach seinem eigenen Geständnisse,die Metaphysik viel Anziehendes für ihn. Merkwürdig ist, daßihm, wie er ebenfalls von sich selbst gesteht, das Addiren und dasEinmaleins noch schwer sielen, als er bereits in der Mathematikeinige Fortschritte gemacht hatte, wobei er die pädagogische Regelund sich dabei selbst zum Muster ausstellt, daß kein Kind etwasauswendig lernen solle, was es nicht verstehe, ein Satz , der vonden neuern Erziehern blindlings befolgt ist, ohne daß diese bedachthaben, daß das Gedächtniß, als eine gänzlich von dem Verständegetrennte Kraft im Menschen, ebenfalls eine für sich bestehendeAusbildung erhalten könne, ohne daß dabei der Verstand vernach-läßigt zu werden brauche. Ucbrigens setzte Kästner das Studiumder Jurisprudenz eifrig fort, und ward 1737 als Candidat dieserWissenschaft examinrrt, ob er gleich von nun an dieses Fach zuGunsten der früher genannten zu versäumen anfing. Im I. 1729hielt er endlich seine Disputation, um selbst öffentlich lesen zu kön-nen, von welcher Zeit an er mathematische, philosophische, logischeund juristische Vorlesungen zu halten begann. Außer der Mathe-matik beschäfftigte er sich auch mit den schönen-Wissenschaften. Nach-dem er im I. 1746 die außerordentliche Professur mit einer Pen-sion erhalten hatte, ward er 17Z6 unter sehr vortyeilhaften Bedin-gungen in Göttingen als wirklicher Professor der Naturleyre undGeometrie angestellt. Während der Bedrängnisse, welche Göttin-gen im siebenjährigen Kriege erlitt, genoß er des Vergnügens, fastbeständig französische Ofsiciere, denen er sich in ihrer Mutterspra-che verständlich machen konnte, zu Lehrlingen in der Physik undMathematik zu haben. Im I. 1765 wurde er zum Hofrath er-nannt und seine glänzendste Epoche als Lehrer und Rathgeber zum