Band 
Fünfter Band. Von I bis L.
Seite
331
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Kaufmann Kaunitz ZIi

wuchsen mit der Dauer ihres Aufenthalts in England. Hier wardsie auch zum Mitgliede der königlichen Akademie der Künste ausge-nommen. Im I. 1782 verließ sie England und wählte Rom zuihrem Aufenthalte, woselbst sie auch am 5 . Nov. 1807 verstorbenist. Ihrem Leichenzuge folgten alle-ausgezeichnete Männer Romsund ihre Büste ward im Pantheon aufgestellt. Sie hinterließ da^selbst eine ausgesuchte Bibliothek und ein ansehnliches Vermögen.Sie hat viele Portraits und historische Gemälde, letztere besondersnach Antiken, gemalt: ihre Arbeiten werden vorzüglich wegen derGrazie geschätzt, welche darin herrscht, wenn auch dem wahren Ken-ner sowol die Jncorrectheit ihres Styls, als auch das Einerleiihres Plans und der Ausführung desselben nicht entgehen kann.Sie dürfte recht eigentlich eine Künstlerin für Dilettanten seyn.Noch ist hier die Geschichte ihrer ersten Heirath zu melden, wie siezwar gewöhnlich erzählt, aber nichts desto weniger hinlänglich verbürgtwird. Dieserzu Folge bewarb sich während ihres Aufenthalts in Londonein engl. Künstler, der noch vor einigen Jahren gelebt und sogar eineStelle im Parlamente bekleidet hat, um ihre Hand, erhielt aber eineabschläaliche Antwort. Dadurch erbittert, sann der Künstler auf Rache.Einsch^ier, aber aus dem Häfen des Volks gewählter Mensch ward inden Stand gesetzt, in Angelica's Hause zu erscheinen, und sich umihre Liebe .bewerben zu können. Diese ließ sich täuschen, reichte demAbentheurer ihre Hand und der verschmähte Künstler entdeckte denihr gespielten Betrug. Angclica ward nun zwar geschieden, müßtejedoch ihrem Manne eine jährliche Pension geben, der aber balddarauf verstarb. Dennoch vermählte sie sich zum zweiten Malemit einem vcnetianischen Maler Aucchi, welche Verbindung glück-licher ausfiel. Dieser starb ebenfalls lange vor ihr, und Angelikalebte seitdem einzig ihrer Kunst und ihren Freunden.

Kaunitz (Wenzel Anton, d. h. R. R. Fürst von), zuletztGraf zu Rietberg, Ritter des goldenen Vließes, des h. Stephani-Ordens Großkreuz, k. k. Staats- und Esnferenz,Minister, gehei-mer Hof- und Staatskanzler, stammt aus einem altgräflichen Hause,dessen Stammhaus die HerrschaftKaunitz in Mähren, zwei Meilen vonBrünn, ist. Sein Großvater,Andreas Dominik, Graf v. Kaunitz, Rit-ter des goldenen Vließes, und noch mit andern hohen Würden beklei-det, war k. k. erster Botschafter bei der Friedensversammlung zuRyswick und starb 170S. Der Sohn desselben, Maximilian UlrichJoseph Fortunat, geboren 167g, wurde k. k. Kämmerer, geheimerMath, Ritter des goldenen Vließes, Gesandter am römischen Hofeund an einigen Kreisen des deutschen Reichs, endlich Landeshaupt-mann in Mähren und Reichßhofrath, und starb 1746. Durch dieHeirath mit einer gebornen Erbgräsin von Ostfriesland und Riet-berg brachte er die Grafschaft gleiches Namens an die Familie Kau-nitz , hatte aber darüber langwierige Prozesse mit dem Könige vonPreußen als Nachfolger in der Grafschaft Ostfriesland. Aus diesexEhe entsprangen neunzehn Kinder, unter welchen Wenzel Anton der?fünfte Sohn war und zu Wien am 2. Febr. 17m geboren wurde.Da er unter seinen am Leben gebliebenen Brüdern der jüngste war,10 wurde^er dem geistlichen Stande gewidmet, auch schon im dxei-zehnten Jahre seines Alters mit einer Domherrn-SteUe zu Münsterbekleidet. Als aber seine Bruder theils im Felde, theils auf demKrankenbette gestorben, und er dadurch der einzige Stammhalter;fernes Hartes wurde, verließ er den geistlichen/Stand wieder, und