AA2 ' Kaunitz
beschloß, sich dem Staatsgeschäffte ;u widmen. Seine geistigen Fä-higkeiten, unterstützt durch einen schönen und starken Körperbau ent-wickelten sich nach Wunsch, so wie er auch eine große Geschicklichkeilin ollen Gattungen von Leibesübungen erlangte. Er studirte an-fangs zu Wien, hierauf, nach damaliger Gewohnheit des österrei,chischen Adels, zu Leipzig, auch einige Zeit zu Leyden, und benutzteden. Unterricht, den er an diesen Orten erhielt, mit Ernst. Im L17S2 trat er seine Reisen nach England, Frankreich und Italienan, wo er für seinen, nach Kenntnissen begierigen Geist so reich-haltigen Stoff antraf. Im I. 17LZ ernannte ihn Kaiser Karl VI,zum Reichshofrath und nicht lange darauf, im acht und zwanzig-sten Jahre seines Alters, zum zweiten kaiserlichen CommiffamSam Reichstage zu Regensburg. Als bald nachher dieser Kaiserstarb und Kaunitzens Amt dadurch aufhörte, begab sich dieser ausseine Güter in Mähren. Nach dem Regierungsantritt der KöniginMaria Theresia eröffneten sich ihm glänzende Aussichten. Er wurde1741 nach Rom an den Papst Benedict XIX. und von da nachFla-reirz geschickt, und entledigte sich seiner geheimen Aufträge zum Bei-falle der gegenseitigen Parteien. Am Ende des Jahrs 1742 ginger als Gesandter nach Turin, um das Vertheidigungs-Bündniß zwi-schen Oesterreich und Sardinien gegen die dourbonischen Höft deß»enger zu knüpfen, welcher Verbindung auch endlich England bei-trat. Die Art, wie er diese verschiedenen Auftrage ausgeführt hatte,erregte eine solche Meinung von seinen Ministerfähigkeiten, daßman ihm bald noch wichtigere Geschäffte anvertraute. Er wurde,744 zum österreichischen Minister am Hofe Herzogs Karl vonLothringen und der Erzherzogin Maria Anna, des General-Gouverneurs der österreichischen Niederlande, ernannt. Da kurz dar-auf diese Erzherzoginn starb, so übernahm er, in Abwesenheit deSHerzogs Carl, die Jnterims-Regicrung der österreichischen Nieder-lande, welche damals um so bedenklicher zu führen war, als Frank-reich schon den Krieg erklärt hatte, und die Niederlande den fran-zösischen Einfällen am ersten ausgesetzt waren. Im Februar 1746ward er zum wirklichen bevollmächtigten Minister daselbst ernannt.Er verwaltete diesen gefährlichen Posten zur Zufriedenheit der Nie-derländer , bis die französischen Waffen allzumächtig vordrangen.Als sich im Febr. 1746 Brüssel den Franzosen ergeben mußte, er-hielt Kaunitz für das Gouvernement und für die wenigen vorhan-denen österreichischen Truppen eine besondere Capitulation, welcheihnen freien Abzug nach Antwerpen gewährte, von wo er, als auchdiese Stadt sich den Franzosen ergeben mußte, nach Aachen ging.Hier bat er, seiner geschwächten Gesundheit wegen, die- Kaiserinwiederholt um seine Entlassung, die er auch erhielt. Kaum nachW ien zurückgekehrt, erschien Kaunitz schon wieder als k. k. Gesand-ter bei dem Friedenscongreß zu Aachen. Bekanntlich wurde die Un-terhandlung daselbst nur zwischen den Bevollmächtigten vomFrank-reich, England und Holland gepflogen und so eifrig betrieben, dasdie übrigen Minister und auch Kaunitz ausgeschlossen wurde».Dieser protestirte daher gegen die Präliminarien und trat densel-ben später, als die übrigen Minister,fbei. In dieser ganzen Un-terhandlung erwarb er sich durch seine Geschicklichkcit und Offen-heit die Achtung der verschiedenen Gesandten und legte hier denGrund zu seinem nachher so großen Ruhme als Minister. Nachgeschlossenem Aachnep Frieden wurde Kuunitz zum wirklichen k. c.