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Kaum'tz 333
Eonferenz- und Staatsminister ernannt und 1749 mit dem Ordendes goldncn Vließes beschenkt. Zugleich bestimmte ihn die Mon-archin zum Gesandten am französischen Hofe. Diese Gesandt-schaft dauerte, von 17Z0—1752, während welcher durch sein klu-ges, einschmeichelndes Wesen den Grund zur Aussöhnung des öster-reichischen und französischen Höfts legte und das Bündniß unterbeiden knüpfte, das erst 1706 der Weit vor Augen gelegt wurde.Im I. 17SZ wurde er als Hof- und Staatskanzler nach Wien zu-rückberufen und noch überdreh 1766 zum niederländischen und ita-lienischen Kanzler ernannt, wodurch die Leitung der Geschäfftedieser Provinzen in seine Hände kam. Seit dieser Zeit hat eralle auswärtigen Staatsangelegenheiten Oesterreichs unter dieserMonarchin allein geleitet und auch zugleich auf die innern Ver-waltung den größtem Einfluß gehabt. Im I. 1764 wurde er dar-auf vom Kaiser Franz I. mit seinen -pünktlichen Nachkommen, nachdem Rechte der Erstgeburt, in den Reichsfürstenstand erhoben. Solange nun Maria Theresia lebte, war das Vertrauen dieser Mon-archin zu Kaunitz unbegrenzt. Als aber Kaiser Joseph allein re-gierte, beehrte er zwar den greisen Minister mit allen äußerlichemZeichen der Achtung uad des Vertrauens, befolgte aber nicht immerdessen Rathschläge. Der mißlungene Versuch, die Schelde zu eröff-nen, der mißlungene Austausch von Bayern, und der noch ungleichmißlungenere Krieg mit den Türken, waren davon die Folgen. Nochschwächer ward Kaunitzens Einfluß unter Leopolds II. Regierungund da entspann sich ohne seinen Willen und Wissen der Kriegmit Oesterreich. Das hohe Alter und die damit verknüpfte Ab-Abnahme seiner Kräfte bewogen ihn endlich, gleich beim Antritteder Regierung Franz ll. die Würde als Hof- und Staatskanzlerniederzulegen. Er hatte eine ausgebildete Vernunft, ohne, wiees sich leicht denken läßt, gerade einem bestimmt philosophischemSysteme mit aller Genauigkeit der Schule anzugehören, so wie exdenn auch an eigentlich metaphysischen Untersuchungen keinen Ge-schmack fand. Seine Beurtheilung war langsam, aber desto rei-fer und daher sein endlicher Ausspruch fast immer richtig. Vol-taire war sein Lieblingsschriftsteller und Rousseau, der sogar einigeWochen lang sein Privatsecrerair in Paris gewesen war, wurdeebenfalls von ihm geschätzt. Die französisch - dramatische Literaturliebte er leidenschaftlich; die deutsche schöne Literatur kannte erweniger, ob er gleich in den neuern Zeiten, nachdem Wieland auf-getreten war, derselben viele Aufmerksamkeit schenkte. So schätzteer unter andern Platner in Lerpzig sehr. Der deutschen Sprachewar er kundig; die französische aber war seine rechte Hand. Ersprach Fanzöflsch, Italienisch und Deutsch; das Lateinische las undverstand er; auch war ihm in seiner Jugend die englische Sprachenicht fremd gewesen. Die große Encyclopädie wurde fleißig vonrhi» gebraucht, um Stoff daraus für seine gesellschaftlichen Unter-haltungen zu holen, und besonders um einen Faden zu haben,an den er seine und seiner Freunde Ideen anreihen konnte. ErVerließ den Ruhm, daß er ein entschiedener Freund der Wissen-schaften und der Gelehrten war. So schuf er in der Lombardeiund in den Niederlanden sehr ansehnliche Akademien. Auch zog eroie meisten Gelehrten von einigem Ruhme, die nach Wien kamen,Er war es, der den verdienstvollen Geschichtschrei-««r der Deutschen, den würzbnrgischen Hofrath Schund nach Wien