AZ4 Kaunitz
versetzte. Noch entschiedener war sein Hang für die schönen Künsteund deren Ausüber. Die vortrefflich eingerichtete Kunstschule zuWien ist fast ganz durch ihn geschaffen. So kug er das meistedorzu der, daß der so berühmte Kupferstecher Schmutzer durchWille in Paris gebildet und nach seiner Zurückkunst der Stif-ter und Director einer Lehrschule der Kupferstecherkunst wurde, auswelcher seitdem so viele schätzbare Künstler hervorgegangen sind.Mit Mecheln aus Basel, der lange Zeit zu Wien war und dirBilidergallerie ordnete, besonders aber mit dem Historienmaler Ca-sanova, lebte Kaunitz, bei ihrem Aufenthalte in Wien in einen,täglichen, fast vertrauten Umgänge. Diese Auszeichnung hattensie indessen wol noch mehr ihrer feinen Lebensart, als ihren Kunst-fähigkeiten zu verdanken. Der größte Künstler, wenn er nicht dieGeschmeidigkeit des Hofmanns hatte, galt nicht viel bei Kaunitz.Daher klagten die meisten über ihn, theils weil er sie oft stunden-lang in seinen Vorzimmern warten ließ, während er sich vielleichtmit einem Handwerker unterhielt, theils', weil nicht alle sich mitder Ehre, ihre Kunstwerte in des Fürsten Gallene aufgestellt z«sehen, genugsam bezahlt glaubten', ein Betragen, welches Kaunitzhöchst unbescheiden, eigennützig und unartig nannte. Ein berühm-ter Künstler rächte sich dafür an dem Fürsten, indem er ihm eineselbst verfertigte schlechte Eopie für ein Original-Correggio umeinen sehr hohen Preis verkaufte. Der Fürst erfuhr zwar nachherden Betrug, schämte sich jedoch darüber zu klagen. Er war über-all als ein großer Reiter bekannt, und diese Liebhaberei machteeinen Hauptzug in seiner Lebensweise aus. Die Gewandtheit undGeschicklichkeit, mit der er , schon im Greisenaltcr, noch die jüng-sten, muthigsten Hengste ritt, wurde allgemein bewundert. Er un-terrichtete und zog sogar alle seine Stallmeister selbst. Kaunitzwar in seinen jungen Jahren ein schöner Mann gewesen und hatteeine von jenen Physiognomieen, die Ehrfurcht einflößten, weswcgcnman ihm denn auch einer weiter getriebenen Putzliebe beschuldigthat, als einem Manne sonst wol geziemen möchte. Unter seinenmoralischen Eigenschaften rühmt man von ihm Treue und Redlich-keit. Vornehm und trocken war er oft gegen Fremde von seinemStande, gütig und herablassend gegen Niedere; ernsthaft aber ge-gen alle und immer, besonders in Anwandlungen von Unmuth, kurzund derb. Es erinnert sich niemand, ihn, besonders in seiner spä-tern Zeit, lachen gesehen zu haben. Nie hat wol ein Minister anirgend einem Hofe ein größeres Vertrauen auf längere Zeit hin-durch genossen, als Kaunitz an dem seinigen. Dieß Vertrauen waraus die vollkommenste Ueberzeugung von seinerRechrschaffenheit undvon seinen Einsichten gegründet. Daher wurde ihm Alles nachge-sehen. So erschien er im Cabinette der Kaiserin Maria There-sia, unter deren Regierung noch eine strenge Etiquette beobachtetwurde, im Frack und in Stiefeln, wie er eben etwa von der Reit-bahn kam; und weil die Kaiserin im Sommer und Winter dieFenster stets offen, Kaunitz hingegen', aus Fürsorge für seine Ge-sundheit, die seinigen stets verschlossen hatte, so war es bei seinemEintritts in die Zimmer der Kaiserin das Erste, daß er die Fen-ster zumachte', und dann erst wandte er sich an die Kaiserin, ummit ihr zu sprechen. Unter Joseph II. Regierung, der, wie W»bereits oben gesagt haben, Kaunitzen nur noch selten zu Rathezog, kam dieser nicht mehr nach Hose, sonder» der Kaiser ginr-