362 Kirchenstaat
gefährlichen Nachbarn aus dem Hohenstausischen Stamme in dernormännischen Herrschaft dadurch, daß er 1265 das Haus Anja»auf den Thron derselben rief. Die ungezähmte Herrschsucht derPäpste, verbunden mit ihrem regellosen Wandel, erregten am Endedie Unzufriedenheit und innern Kampfe der Römer gegen den päpst-lichen Stuhl, und die Päpste selbst sahen sich genöthigt, von iZS»bis 1878 ihr' Residenz nach Avignon zu verlegen, welches Cle-mens VI. 1Z48 von Johanne, Königin von Neapel und Gräfinvon Provence gekauft hatte. Da nun.auch die unter dem Einstufedes französischen Königs stehenden Pävste selten oder nie die Zu-stimmung der Römer und Deutschen erhielten; so entstand darausdie Wahl mehrerer Gegenpäpste, in deren Kämpfen mit einanderweder der Kirche, noch des Staats allgemeines Beste gefördertwurde. Dio Rückkehr der Päpste nach Rom war, obgleich die deut-schen Kirchenversammiungen oft eine nachdrückliche Sprache führ-ten, der Vergrößerung der päpstlichen Besitzungen nicht anders alssehr vortheilhaft. Julius II. brachte i 5 i 3 den Staat von Bo-logna und i 53 s von Ancona an sich- Die Benetianer mußten Ra-venna abtreten; Ferrara wurde i 5 g 8 der modenesischen Erbschaftentrissen und Urbino von seinem letzten Herzoge Franz Maria, ausdem Hause Navarra, dem päpstlichen Stuhle vermacht. Jetzt zumhöchsten Gipfel der weltlichen und geistlichen Macht erhoben, ver-loren die Päpste von 1617 an durch den schnellen und großen Fort-gang der Reformation einen großen Theil ihres zeitigen und geist-lichen Einflusses. Sirtus V. weise Oekonomie gegen Ende des sech-zehnten Jahrhunderts steuerte dem Uebel; aber die Verschwendungund der Nepotismus der folgenden Päpste offenbarten wiederum zuverderbliche Uebel. Clemens XIV. (Ganganelli) sah sich genö-thigt, 1773 den Jesuiterorden anfzuheben. In den neuern Zeitengab Neapel 1788 seine alten Verbindlichkeiten gegen den päpstlichenStuhl auf, und selbst die Reise Pius VI. konnte 1782 die großenVeränderungen nicht aufhalten, welche Joseph II. in den geistliche»Angelegenheiten unternahm. Durch das Waffenglück der Franzo-sen in Italien gezwungen, sah sich der Papst im Frieden von To-lentino am i 3 . Febr. 1797 gezwungen, Avignon an Frankreich, un«Romagna, Bologna, Ferrara an die cisalpinische Republik abzu-treten. Ein Ausstand in Rom gegen die Franzosen am 28. Dec.1797- veranlaßte am 10. Febr. 1798 die Einnahme Roms und dieErklärung des Kirchenstaats zur römischen Republik, und Pius VIward nach Frankreich abgeführt, wo er am 9. Aug. 179g zu Va-lence starb. Die Siege der Russen und Oesterreicher in Italienbegünstigten die neue Papstwahl Pius VII. (Chiaramonti) am14. März 1800, welcher alsdann unter dem Schutze der österreichi-schen Waffen von Nom wiederum Besitz nahm. Durch dasConcor-dat, welches er am iS. Jul. 1801 mit dem ersten Consul der fran-zösischen Republik, Bonapopote, abschloß, ging dem päpstlichen Stuhleabermals ein großer Theil seiner noch übrigen weltlichen Wachtverloren. Aber 1808 erfolgten an den heiligen Barer neue Zuwu-thungen und Federungen, man sagt, den Code Napoleon einzufüh-ren und England feierlich den Krieg zu erklären. Der Papst wei-gerte sich. Da rückte 1808 den 2. Febr. ein französisches Corps vo»
8ocx> Mann in Rom ein; und da auch jetzt noch der Papst wider-strebte, wurde ihm am 5 . April erklärt, daß Frankreich m:t demPapste im Kriege sey, und die Provinzen Ancona, Urbino,, Mce-