Band 
Fünfter Band. Von I bis L.
Seite
365
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Kircher Kirchgeßner 365

ftigst damit, die Cbaractere, welche auf demselben enthalten wa-ren, zu erklären, und glaubte, nach einer ungeheuern Anstrengung,endlich damit zu Grande gekommen seyn. Ein andermal überreichteihm einer seiner Freunde ein Stück chinesisches Papier, auf wel-ches dieser einige Charaktere, die dem Pater Kircher anfangs ganzNnerklLrdar schienen, geschrieben hatte. Nachdem Kircher vieleTage und Nächte auf die Erklärung dieser Charaktere verwandthatte, mnd dennoch damit nicht zu Stande kommen konnte, lösteihm sein Freund das Räthsel dieses Betruges. Es waren näm-lich verkehrt geschriebene lombardttche Charaktere, welche Kircher,nachdem er sie vor den Spiegel gehalten hatte, mit leichter Mühelas. Jeooch soll diese Unecdote erfunden seyn und folgender facti-schen Begebenheit ihren Ursprung zu verdanken haben. Der Pa-ter Caspar Schott erzählt, daß, als er zu Rom mit Kircher den.gemeinschaftlichen Studien obgelegen, ein dortiger Alterthumsfor-scher demselben ein sehr altes Papier gesandt habe, welches in ei-nem alten Schlosse gefunden worden war. Dieses Papier enthieltCharaktere, welche bis dahin niemand hatte erklären können.Kaum aber waren sie Kirchern zu Gesichte gekommen, als sie die-ses sogleich ohne Anstoß las und sie auch den Umstehenden zu lesengab. Sie waren nämlich von der linken zur rechten Hand geschrie-ben. Dieses Factum, welches von einem Augenzeugen erzählt wird,hat ohne Zweifel zu der vorigen Anecdote Veranlassung gegeben:Kircher hinterließ ein Antiquitäten- und Modell-Cabinet, welchesvon BonnanisRom, 1709) eigends beschrieben worden ist. Er wirdübrigens für einen der ausgezeichnetsten Gelehrten seiner Zeit, sowie für einen der fruchtbarsten Schriftsteller der Gesellschaft, zuwelcher er gehörte, mit Recht gehalten. Er besaß ein ungemeinesWissen in der Philosophie, Mathematik, Physik, KosmoLraphie, Na-turgeschichte, Philologie, Geschichte und Alterthumskunde. Er HatteAlles studrrt und schrieb über Alles. Seit dem Jahre 16Z1 bis1K77 rechnet man, daß er drei und dreißig verschiedene Werke, wel-che, größtentheils in Folio, 40 Bände ausmachen, geschrieben hat.Jetzt ist es sehr schwierig geworden, die zahlreiche Sammlung sei-ner Werke vollständig zu machen. Glücklicherweise aber könnenmehrere derselben unter die Anzahl der Bücher gerechnet werden,welche man merkwürdig nennt, die aber niemand liest, weil sienichts Lesenswerthes enthalten. Dazu gehören alle diejenigenSchriften Kirchers, die von den Wissenschaften im Allgemeinenhandeln, in welchen die wenigen sinnreichen Ansichten und interes-santen Data, die darin angetroffen werden, nur selten fHr denWust schlechter vhysikalischer Erklärungen, worin sie fast wie er-sauft sind, zu entschädigen vermögen. Weit schätzungswerther sindseine Werke über die Alterthumskunde, von welchen wir jedochseine Duvi-is ksbol, so wie seine Arcn IVos ausnehmen wollen,weil der Geist der Kritik, der heut zu Tage in dem Studium und^"Untersuchungen der Antiquitäten herrscht, alle jene frömmelnd«Ansichten zur Vergesserkheit verdammt hat. Aber wir erwähnenMit Achtung seines l.stium, seines Osllipur KeK^ptinciis undanderer dergleichen Werke. Doch haben auch diese Schriften derweitem dasjenige Zutrauen nicht erregt, welches die großen Be-muhungen und die ausgebreitete Gelehrsamkeit ihres Verfassersdenselben härt- verschaffen müssen. '

Kirchgeßner ,(Marione) ward 1770 zu Bruchsäl (nach eini-