Band 
Fünfter Band. Von I bis L.
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z6ü Kirchgeßner Kirgisen

gen zu Waghausel) geboren, und verrieth schon als Kind ihr gro-ßes Talent für die Musik, welches durch den Verlust ihres Gesicht«,den sie bereits im vierten Jahre durch bösartige Blattern erlitt,eher zugenommen, als sich vermindert zu haben schien. In einemAlter von sechs Jahren spielte sie bereits das Clavicr mit Fertig:keit und Ausdruck. Sie ward daraus von dem badischen Capell-Meister Gchmittbaur zu Carlsruhe in der Musik, und besonders aufder Harmonie», unterrichtet, auf welcher sie bereits in ihrem zehn-ten Jahre so außerordentliche Fortschritte gemacht hatte, daß siesich öffentlich, unter allgemeiner Bewunderung, hören lassen konnte.In Gesellschaft des Raths Boßler machte sie nun zu Anfange de« -I. 1791 eine Reise durch ganz Deutschland, wo ihr allenthalbender enthusiastischste Beifall zu Theil wurde, und begab sich darauf,794 nach London. Ihr dortiger dreijähriger Aufenthalt war ihrnicht nur, außer der Vervollkommnung ihrer Kunst, zur Erfindungeiner Harmonie» mit Resonanzboden nützlich; sondern ihr ward auch jdaselbst das Glück, einen Theil ihres Gesichts wiederzuerhalten.Zu Anfange des Novembers 1796 ging sie üher Deutschland nachCopenhagen, von wo sie sich, abermals über Deutschland, nach Pe-tersburg begab, und dann, nachdem ihr in allen diesen Länderngerechter Beifall und verdienter Lohn geworden war, Gohlis, nahebei Leipzig, zu ihrem Wohnorte wählte. Im I. 1801 machte sieeine Reise in ihr Vaterland, und dann nach Paris, von wo sieabermals nach Gohlis zurückkehrte, und daselbst in Gesellschaft desRaths Bosler bis 1808 lebte. In diesem Jahre unternahm sieeine neue Reise in ihr Vaterland, wo sie jedoch zu Schaffhausenvon einem Brustsieber befallen wurde, an welchem sie daselbst am9. Dec. in ihrem 38 sten Jahre starb.

Kirgisen (Kirgis-Kaisaken) nennen sich selber Sa-ra-Kaisaki (Steppenkosaken). Den Namen Kirgisenhaben sie wahrscheinlich von irgend einem Stifter, ihrer Horde. Manhält sie gewöhnlich für Nachkommen der ältesten Mongolen, die an-fänglich in der Nähe der chinesischen Mauer gewohnt haben, undbei der allgemeinen Wanderung mongolischer Stämme, in westlichereGegenden gezogen sind. Als man zur Zeit der russischen EroberungSibiriens zuerst von diesem Volke etwas vernahm, nomadisirtendie Kirgisen in der Gegend des obern Jenisei, und wurden dannzugleich mit den Barabinzen dem russischen Reiche unterwürfig. Ss>tder Zeit haben sie sich als ein sehr unruhiges, treuloses, wankelmu-thiges und gefährliches Volk bekannt gemacht. Jetzt bewohnen siedie ungeheure Wüste zwischen dem Ural und Jrtisch, welche vonden Russen die kirgisische Steppe genannt wird. Diese Wüste grenztwestlich an das kaspische Meer und die Statthalterschaft Caucasm,nördlich an die ufaische und tobolskische, und östlich an die coliwa-nische Statthalterschaft. So lange die Kirgisen bekannt sind, ha-ben sie sich stets in die große, mittlere und kleine Horde getheilt.Die erste ist noch jetzt, wegen ihrer Tapferkeit Und wegen der un-zugänglichen Gebirge, in welchen sie wohnen, unabhängig^die mitt-lere und kleine Horde erkennen seit 17Z1 die russische Schutzherr-schaft, haben sich aber seit dieser Zeit immer noch als treulose Bun-desgenossen und als ein sehr räuberisches Volk gezeigt, weshack aWlängs den Gvenzflüffen Linien von kleinen Festungen gegeu sie angclegrsind. Man schätzt die mittlere und die kleine Horde jede auf 00,°°Kibitken, oder Familien; wahrscheinlich sind sie jedoch weit starrer.