Band 
Fünfter Band. Von I bis L.
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Kleist (Heinr- v.)

Klinger

Floskeln behangenen Empfindseligkeit, dahin treibenden Zeitalterangekündigt. Aber auch seine Erzählungen, zeichnen sich durchReick hum und Ueppigkeit der Erfindung, durch raschen Fortgangder Hantlung, in und mit welcher zugleich sich die Charaktere endwickeln, durch lebendige, scharfe Zeichnung der Charaktere, durch tie-fes Gefühl, ja d rch eine seltene Gediegenheit desStyls aus. Auchdurch sie zieht nicht selten etwas Mystis "es hin, welches in der Dar-stellung wunderbar erschüttert, wie z. B. in der H. Cäcilie. Borallen ist wol die längere Erzählung Michael Kohlhaas fürgelungen zu achten. Der Fartenton des Ganzen, den Kleist immerMit kühnem Pinsel gab, ist üier unnachahmlich und einzig wahr,die Gruppirung einfach und klar. Auch dem Aweikampf kannman die Bewunderung nicht versagen. Die Verlobung in St.Domingo ist durch eine nicht gelungene Bearbeitung für die Büh-ne von einem talentvollen, muthig für die Idee deutsches BolkrhumSgefallenen Jünglinge, bekannter geworden unter dem Titel: Toni.Es genügte diesem in der Mittclsphäre der Bürgerwelt so verkann-ten, herrlichen Geiste ein schuldiges Todtenopfer zu bringen um denPlatz zu sichern, der ihm gebührt, und den die unbefangene Nach-welt ihm gewiß nicht versagen wird. War die Gährung der Ele-mente auch nicht in ihm vollendet, so war sie doch eben bedeutend' und vielversprechend; ja unsere Zeit bedarf mehr, als einer, gewal-tiger Anregung, um sich zu erheben, und schon von dieser Seiteher verdient Kleist besonders emporgehoben zu werden. VLn.

Klerus, der, ist die aus der griechischen Sprache stammen-de Benennung des geistlichen Standes, mit welcher derselbe im Ge-gensatze gegen die Laien bezeichnet wird. Das griechische Wort be-deutet: Eigenthum, Erbtheil, und der geistliche Stand ward dar-um Klerus genannt, weil man ihn auszeichnen, ehren und andeu-te» wollte, daß er in einem besondern Sinne Gottes Eigenthumund Erbtheil sey. Der Klerus ward in der alten Kirche in den ho-hen und niedern getheilt. Au dem erster» gehörten die Bischöfse,Presbytern (Aelteste) und Diakonen, zu dem letzter» alle übrigegeistliche Personen. Won dem Worte Klerus kommt die Benennungkle risch her, mit welcher man die gekämmte Geistlichkeit eine»Landes oder einer Stadt bezeichnet. Ueber die Geschichte, als dieNutzbarkeit des geistlichen Standes, ist das Nöthige weiter obenin dem Artikel Geistlichkeit beigebracht worden. dl-

Klinger, Friedrich Maximilian von, geboren zu Frankfurta. M. im I. 17S;, gehört mit zu denen, durch deren Kraft undeigenthümliches Streben vor nun etwa 40 Jahren jene neue Periodeunserer Literatur geschaffen wurde, welche man nach dem Titel einesklingerschen Schauspiels die Sturm - und Drangperiode benannt hat.Auch ihn begeisterte der Genius Shakespeares, und seine Jugend-kraft gcsic., sich im Excentrischen. Da es wirkliche Kraft wardieihn hob und drängte, so durfte er das schon wagen, und das kühneWagstück wurde vom glücklichsten Erfolg gekrönt. So hatte nochkein deutscher Dichter alle Leidenschaften in Bewegung gesetzt als erin seinen Zwillingen, so gewaltig hatte noch kurier in die Sai-ten des Herzens gegriffen und die Phantasie cntzügclt. Was Wun-der, wenn ihm die Bewunderung des ganzen Pubttcurns ward! Dugrößere Bewunderung verdient indeß, daß er mit seiner Kraft sichselber bändigte, und durch seine Virtuosität sich nickt lange auf Ab-wege leiten ließ. Uebung und Umgang, sagt er selbst, hätten ihn