Band 
Fünfter Band. Von I bis L.
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378 Klinger

Gebot; er weiß uns zu unterhatten und zu vergnügen, und derGenuß würde noch reiner seyn, wenn er sich und uns den heiter»bedeutenden Scherz nicht durch ein bitteres Mißwollen verkümmerte.Doch dieß macht ihn eben zu dem was er ist, und dadurch wird jadie Gattung der Lebenden und Schreibenden so mannichfaltig, daßein Jeder, theoretisch, zwischen Erkennen und Irren, praktisch,zwischen Beleben und Vernichten hin und wieder wogt. Kling»gehört unter die, welche sich aus sich selbst, aus ihrem Gemüth undVerstände heraus zur Welt gebildet hatten. Jenes Beharren einettüchtige« Charakters aber wird um desto würdiger, wenn es sichdurch das Welt- und Geschäftsleben durch erhält, und wenn eineBehandlungsart des Vorkömmlichen, welche manchem schroff, ja ge-waltsam scheinen möchte, zur rechten Zeit angewandt, am sicherstenzum Ziele führt. Dieß geschah bei ihm, da er ohne Biegsamkeit,aber desto tüchtiger, fester und redlicher, sich zu bedeutenden Postenerhob, sich darauf zu erhalten wußte, und mit Beifall und Gnadefeiner höchsten Gönner fortwirkte, dabei aber niemals weder seinealten Freunde, noch den Weg, den er zurückgelegt, vergaß. Ja ersuchte die vollkommenste Stetigkeit des Andenkens, durch alle Gradeder Abwesenheit und Trennung, hartnäckig zu erhalte»; wie eidenn gewiß angemerkt zu werden verdient, daß er, als ein ander»Willigis, in seinem durch Ordenszcichen geschmückten Wappen,Merkmale seiner frühesten Zeit zu verewigen nicht, verschmähte."Man sieht aus diesem Letzteren, daß Klingcr bürgerlicher Herkunftist, und daß seine Eltern durch keinen hohen Stand ausgezeichnetwaren, und desto ehrenvoller für ihn, daß er durch eigne Kraftemporstieg. Er war in der Zeit seiner ersten Blüthe Theaterdichterbei der seylerschen Gesellschaft, und lebte eine Zeitlang in Weimar,von wo er nach Rußland ging, um sein Glück zu suchen. In Pe-tersburg begünstigte ihn der Zufall, daß er der großen Kaiserinfrüher bekannt ward. Seit 1780 trat er als Officicr in russischeDienste, wurde nachher Vorleser bei dem Großfürsten Paul, gingim Geueralstabe des Prinzen von Wirtemberg mit »ach Laurien,und wurde bei seiner Rückkehr, mit dem Charakter eines Majors,als Director der Rittcrakademie angestellt. Auf der schlüpfrigstenLaufbahn, umgeben von einer luxuriösen Welt, unter mißlichen Ver-hältnissen , zu einer Zeit, wo feste Männlichkeit und kühner Muthwol gar Gefahr drohten, stand er fest in Behauptung hoher mora-lischer Kraft, und erhielt sich stets ein unwandelbares Vertrauen.Selbst Kaiser Paul verzieh ihm seine männliche Geradheit; unterAlexanders Regierung ward er zu noch höherer Wirksamkeit her.or-gezogen. Er ist jetzt General, Ritter des St. Annen-Ordens, Ku-rator der Universität Dorpat, Präsident zweier wichtigen Departe-ments, Director mehrerer Bildungsanstalten, und wirkt in allendiesen Beziehungen mit dem erfreulichsten Erfolge. Bei allem die-sen Wirken in der bürgerlichen Welt hat die poetische Welt Klin-gern nicht verloren, der aber freilich eine Ansicht von der Poesteund dem Dichten gewonnen hatte, von der sich unsere Aesthetik»nicht träumen ließen. Eine hohe, moralische Stimmung, einen mitedlen, großen Gedanken beschäfftiaten Geist, eine durch den Charak-ter bestimmte, kräftige Denkung'sart, einfache Sitten, Gefalle«an einer beschränkten Lebensweise, völlige Unkenntnis der Glücks-jägerei, der schleichenden Mörderin des Besten im Menschen, >v»hätte denn die von dem Dichter gefordert? Wie eine solche Theorie