Klopstock Z85
Klopstocks Ende war wie sein Leben. Mit voller religiöser Ueber-zeugung, mit /-ruhe und Ergebung starb er den glücklichen Tod desGerechten und Guten, den er selbst im zwölften Gesang seiner Mes-siade besungen hat, am 14. März i 8 c >3 sanft und ohne Schmerzen.Sein Leichenbegängniß, gewiß eins der feierlichsten, das einem.Ge-lehrten Deutschlands zu Theil ward, zeigt die allgemeine Theilnah-me seiner Mitbürger, die sie im Namen aller entfernten hohen undniedern Verehrer des Entschlafenen hier zu Lage legten. Die hierwohnenden Gesandten und Geschäftsträger, alle angesehene Bürger,Senatoren, Kaufleute, Kirchen- und Schullehrer, Künstler u. s. f.begleiteten in hundert sechs und zwanzig Wagen die Leiche, welcheunter einer Ehrenwache von 100 Mann zu Fuß und zu Pferde, un-ter dem grosen volltönenden Geläute der sechs Hauptrhürme vonHamburg, durch Anströmen vieler Hausende-und unter mshrern derSache angemessenen Feierlichkeiten , die durch das Wehen derLrauerflaggen von den Schiffen im Hafen noch einen erhabner»Eindruck machten, an einem heitern Frühlingstage den 22. Märzzu Ottensen »eben seiner Meta eingesenkt wurde, wo er sich schonbei ihrem Tode sein Grab bestellt hatte. Klopstock war von Seilenseines Charakters munter und aufgeweckt; sein nicht sparsamerScherz aber stets mit einer gewissen Würde verbunden, indem ersich nie bis zum Lustigmacher herabließ; sein Spott war nie bitter.Eine gewisse Geradheit hielt ihn von der nähern Bekanntschaft mitVornehmere» zurück, denn die kalte Herablassung der Großen saher mehr als Peschimpfung an. Er zog gern mit ganzen Familienseiner Freunde aufs Land. Immer freute er sich, von einem Kreisevon Kindern umgeben zu seyn. Seiner freudigsten Beschäfftigung imWinrer ist oben schon Erwähnung gethan worden. An dem Wohlund dem häuslichen Glück seiner Freunde nahm er den innigstenAntheil, aber besonders angenehm war ihm die Rückerinnerung anseine Dichterfreunde, mit denen er in Leipzig vereint gewesen war,und von denen er immer einen nach dem andern ins Grab sinkensah. Der letzte, der aus diesem zarten Kreise seiner-alten Freundeheraustrat, war Edert: auch diesen überlebte er; mit Fassung undEtandhaftigkeit vernahm er die Nachricht von seinem Tode. — Wonden neuer» Weitbegebenheiten vermied er absichtlich zu sprechen,und so sehr er auch Freiheit des menschlichen Geistes liebte, undüberhaupt jede Tyrannei haßte, so ist doch die ihm zugeschriebeneSievoiutions-Ode an Rochefoucaulds Schatten als ganz untergescho-ben zu betrachten. So schwer es ist, Klopstock als Dichter und Ge-lehrten zu charakterisiren, und so wenig es hier der Ort ist, einegänzlich genügende Auseinandersetzung und Entwickelung der Schön-heiten, die seine Werke so sehr auszeichnen, aufzüführen. so dürftees doch vielen unserer Leser und Leserinnen, die gewiß Klopstock alseinen der ersten Dichter der Deutschen verehren, nicht unangenehmseyn, wenigstens hier einen kleinen Ueberblick seiner hohen Ver-dienste, und worin er eigentlich groß und einzig genannt zu werdenverdient, zu erhalten. Als Odendichter ist wol Klopstock bestimmtunter den lyrischen Dichtern aller Zeiten der größte. Man kann ihnden Pindar der neuern Poesie nenne», aber er übertrifft diesen anFülle und Tiefe der Empfindung, so wie die Seelenwelt, die erschildert, die von dem griechischen Dichter dargestellten Gegenständeaus der Sinnenwclt übertrifft. Seine geistlichen Oden, z. B. dieFrühlingsseier, nehmen den Schwung des Psalmisten, undCo,w. iex. csr.Aufl.) V. 25