Klöster 38y
und bischöffliche Einfluß durch tausend Eremtionen geschwächt war,und gegen den durch die Politik der Päpste geschützten Ucbermuthder in allen Ländern mächtigen Ordcnscorporationen wenig ver-mochte, meist nur auf die Persönlichkeit der Lebte an, welcherGeist in ihnen herrschen sollre Zur Zeit der Reformation, wo diereichen Güter der von den Mönchen und Nonnen verlassenen Klö-ster in den protestantisch gewordenen Staaten von den Fürstentheils zu ihrem Fiscus gezogen, theils zu Gründung und Erhal-tung öffentlicher Bildungsanstalten, die unter den Namen Klo-sterichulen, Fürstenschulen u. s. w. noch bestehen, oder in Universi-täten und Akademieen verwandelt worden sind, angewendet, theilszur Belohnung verdienter Kirchenlehrer als Pfründen, wie die Ab-teien in Riedcrsachsen und im Würtembergischen, vorbehalten wur-den, mußte sich die Zahl der Klöster beträchtlich verringern. Inkatholischen Ländern erhielten sie zwar ihre Verfassung bis ins -8-Jahrh, fielen aber doch durch den alles ergreifenden Einfluß einesneuen .Zeitgeistes immer mehr in der Meinung des Volkes, undmußten beim Sinken der päpstlichen Macht auch von katholischenFürsten manche Beschränkung ihrer alte» Rechte erdulden, und wasihntn noch blieb, durch große Opfer erkaufen. Was sie ehedem alsDepots literarischer Schätze, als Aufluchtsörter für Verfolgte undRahrlose, als Erziehungsanstalten für die Jugend, als bequemeRuheplätze für ausgediente und abgelebte Weltleute aus den höhcrnStänden, als milde Gewahrsame und Befferungshäuser für ver-irrte und gefährliche Glieder der menschlichen Gesellschaft geleistethatten, verschwand in den Augen der statistischen Berechnung undvhilanthropischen Philosophie neuerer Zeiten vor dem Nachtheile,den sie durch die Beförderung der Ehelosigkeit der Bevölkerung,durch ihr unablässiges Streben Nach den Fämiliengütern der Rei-chen, die ihnen ihre Söhne und Töchter anvertrauten, dem Na-tionalwohlstande, durch den Müßiggang ihrer Bewohner der In-dustrie, durch ihre frommen Gaukeleien der Aufklärung und wah-ren Religiosität, und durch die in ihren Mauern erzeugten gehei-men Sünden und Intriguen, deren Greuel sich nicht länger verber-gen ließen und jedes menschliche Gefühl empören mußten, der Sitt-lichkeit brachten. So waren diese veralteten Institute als Freistät-ten der Faulheit, der Heuchelei und des geistlichen Despotismusschon von einem großen Theile der erleuchteten Welt geächtet, daJoseph tl. i/8r die arlöstereiniger Ordenganz aufhob, und die, welcheer bestehen ließ, auf eine bestimmte Zahl von Religiösen einschränkteund außer alle Verbindung mit auswärtigen Obern setzte. InFrankreich wurde 1790 die Abschaffung aller Orden uud Klöster de-cretirt, welchem Beispiele sowohl die diesem Reiche incorporirtenLänder, als auch im ig. Jahrh, unter Napoleons Aegide alle ka-tholische Staaten des Continents, außer Oesterreich und Rußland,folgten. Die Absicht dieser Aushebung schien indeß noch mehr einewohiberechnete Finanzspeculation, als ein Werk der Humanität zuseyn. Nur in Preußen wurde leidlich für die vertriebenen Religiö-sen gesorgt, und, nach Josephs Beispiele, der durch die Seculari-sationen gewonnene Reichthum den Fonds des Kirchen- und Schul-wesens zugewendet; wo aber das französische System galt, sielendie Klostergüter dem landesherrlichen Fiseus zu, und die Religiö-sen sahen sich, weil die ihnen versprochenen Pensionen oft ausblie-ben, aus einem müssigen Wohlleben in die kümmerlichste Dürftig-