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Knechtschaft Kneller 397
räthschaften u. s. w. schonen wird, da ja doch Alles seinem Zwing-herrn allein gehört,^ diesen allein der Schaden trifft; daher auchjene unbegreifliche Sorglosigkeit, die man an dem Leibeigenen wahr-nimmt. Er sorgt nicht für die Zukunft, selbst wenn er es mitleichter Mühe könnte; warum sollte er es auch thun, muß ;a dochder Herr ihn füttern, wenn er sich nicht selbst den größten Scha-den zufügen will. Alles, was er besitzt, gehört entweder durchausseinem Herrn, oder sein Besitz ist doch wenigstens schwankend, hängtvon den Launen seines Gebieters ab, wie mag man da Sorgsam-keit und Sparsamkeit erwarten? Sich einige viehische Genüge zuverschaffen, im vorübergehenden Rausche die Zuchtruthe zu verge>-sen, die ihn zur Arbeit treibt, darauf sinnt er allein. — Frägtman endlich vollends die Erfahrung, so beweisen die unverwerf-lichsten Zeugnisse, daß sie durchaus dasjenige bestätige, was schoneine oberflächliche Untersuchung als vollkommen einleuchtend dar-stellt. Wo das Verhältniß der Eigengehörigkeit oder der Leibei-genschaft, versteht sich in jedem Falle, mit der nie zu vergessenden,höchst nöthigen Vorsicht, aufgehoben wurde, da geschah es jedes-mal zum größten Vortheile der Berechtigten und somit zum größ-ten Vortheile des Staats.
Knees (Knäzi) bedeutet in Rußland eine Person von ho-hem Adel, oder auch einen Fürsten. Sie können in alte und ein-heimische, und in neue und fremde eingetheilt werden. Unter deneinheimischen Knäzi sind Familien, welche vost den alten Großfür-sten abstammen, z. B. Dolgurucki und Repnin. Die Kneesen Go-litzm und Kurakin leiten ihren Ursprung von den alten Großher-zigen von Lithauen ab. Die tartarischen Kneesen in Rußlandstammen theils aus vormals wirklich regierenden Familien, theilsaber nur von tartarischen Mursen ab. Diese letztern haben mitden russischen Kneesen bei weitem nicht gleichen Rang. Im Allge-meinen kommen die Kneesen in Rußland, welche über ihre Unter-thanen keine größere Gewalt haben, wie die übrigen Edelleute,mit den regierenden deutschen Fürsten in gar keine Vergleichung.
Kne l l e r (Gottfried), im I. 1643 zu Lübeck geboren', ward,da ihn seine Eltern für den Militairdienst bestimmt hatten, nachLeyden auf die Universität gesandt, um sich daselbst der Mathema-tik und Fcstungsbaukunde zu widmen. Da er jedoch eine entschie-dene Neigung für die Malerei zeigte; 'so ließen ihn seine Elternanfangs unter Rcmbrandt und nachher unter Ferdinand Bole stu-dircn. In Gesellschaft seines Bruders, Johann Jacharias, der sichder Baukunst gewidmet hatte, begab er sich darauf nach Italien,wo er einige der vollendetsten Gemälde Litians und HannibalCarracci's copirte und nebenbei auch den freundschaftlichen Unter-richt Carlo Maratti's benutzte. Nach einem kurzen Aufenthaltezu Rom ging er nach Venedig, wo er anfangs Historien.Malereitrieb, sich aber nachher fast einzig der Portrait-Malerei widmete,durch deren Werke er daselbst einen großen Ruhm erhielt. BonVon Venedig begab er sich 1.672 nach Deutschland zurück, wo erzu Hamburg bedeutende Empfehlungen für England erhielt und>674 sich nach London degab. Gleich feine ersten Portraits, welcheer daselbst verfertigte, erregten eine so allgemeine Bewunderung,daß der Herzog von Monmouth, natürlicher Sohn Carls tl., derspäterhin sein Leben auf dem Schaffotte endigte, sich nicht alleinjelbst von Kneller malen ließ, sondern auch den König, seinen Ba-