Band 
Fünfter Band. Von I bis L.
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Kneller Kiüggr 399

Spott aller seiner Freunde zuziehen mußte. In wie fern folgendeAnecdote auf Wahrheit gegründet ist, oder ebenfalls in ferner un-gemessenen Ruhmsucht ihren Ursprung hat, wollen wir unerörtertlassen. Einstens tritt ein Freund Kncller's in dessen Arbeits-zimmer und findet daselbst ein wunderschönes gemaltes weiblichesPortrait, Kneller's Tochter in Lebensgröße vorstellend, we cheSaber an mehrern Stellen bedeutende Riffe hat. JenerFreund kannsich nicht enthalten, das Gemälde nach Würden zu loben, aber auchden Urheber jener Zerstörung zu tadeln. Auf seine Erkundigungdarüber, sagte Kneller, jene Risse rührten von einem kleinen Hundeher, der gewohnt sey, auf dem Schooße seiner Tochter zu ruhenund dann, in Abwesenheit derselben, an ihrem Bilde kratze, umvon ihr aufgenommen zu werden. — Uebrigens harte Kneller einenbestimmten Preis für seine Portraits gesetzt, von welchem er nichtabwich: fünfzehn Guinecn für einen Kopf, zwanzig für einenKopf mit einer Hand, dreißig für ein Brustbild und sechzig fürein Gemälde in Lebensgröße. Er malte aber nur Kopf und Hän-de; alles Uebrige mußten andere Künstler verfertigen, welche erdafür ordentlich in seinem Dienste hatte. Was den wahren Werthseiner Portraits betrifft; so behaupten gleichzeitige L-chriftsteller,er habe keine Aehnlichkeit ganz vollkommen getroffen, aber durchLeichtigkeit und Anmuth der Ausführung sowol, als durch kräftigesColorit und edle Einfalt, jenen Mangel der Aehnlichkeit vollkom-men ersetzt. Uns scheint jedoch, als hätte Kneller, in so fern erPortraitmaler war, dessen erstes Verdienst in der Auffassung derAehnlichkeit besteht, keinen so ungemeinen Ruf erlangen können,wenn ihm das Colorit, die Aehnlichkeit zu treffen, von der Naturversagt worden wäre. Kneller starb am rg. October 172Z in sei-nem fünf und siebenzigsten Jahre. Nach seinem Tode ward ihm inder Westminster-Abtei ein Monument errichtet, mit einer übertrie-ben lobpreisenden Inschrift, für deren Verfertigung Pope, noch beiLebzeiten des Künstlers, fünfhundert Pfund empfangen habensoll. kg.

Knigge (Adolph Franz Friedrich Ludwig, Freiherr von)ward 1752 zu Bredenbcck, einem Gute seines Vaters, nicht weitvon Hannover geboren und daselbst bis in sein vierzehntes Jahrsehr sorgfältig erzogen. Dann machte er einige Reisen mit seinemWater, auf welchen, da sie sehr kostspielig waren, dieser den Ue-berrest seines Vermögens verzehrte nnd dem Sohne bei seinem Tode,ier schon 1766 erfolgte, nebss ansehnlichen Gütern auch beträchtlicheSchulden hinterließ. Der junge Knigge genoß nun Privatunter-richt und bezog 1769 in seinem siebzehnten Jahre die UniversitätGöttingen. Auf einer Reise nach Cassel wurde er vom Landgra-fen Friedrich II. zum Hosjunker nnd Assessor der Kriegs- und To-mainenkammer ernannt, welche Stelle er 1772 antrat. Indessen warder, ehe seine dortigen vortheilhaften Aussichten sich verwirklichen konn-ten, durch ökonomische Verhältnisse genöthigt, seine Stelle in Cas-sel niederzulegen und auf seine Güter zu gehen. Aber schon 1777trat er als Kammerherr in die Dienste des Weimarschen Hofes,nahm nachher mehrere Geschäftsreisen und privatisirre alsdann mitleiner Familie nach und nach zu Hanau, Frankfurt und Heidelberg.

"ard er sodann zum OLerhauptmann und Scholarȟ)eii im Bremen erwghlt, wo er aber bereits 1796 im vier undvierzigsten Jahre sein ziemlich unruhiges Leben endete. Er was