Knittelverse Knobelsdorf 401
eller, find. Ihr Älter geht schon aus dem einzigen Umstände hervor, daß
illige die meisten unsrer Sprichwörter, deren größer« Anzahl doch ein sehr
durch hohes Alter besitzen, ebenfalls in Knittelversen abgefaßt sind. Da
> des das Gesetz des Reims in den neuern Sprachen das erste Erfordsr-
1 ih- niß bei Ausbildung derselben zur Poesie gewesen ist (denn ein noch
chend ungeübtes Ohr ist am empfänglichsten für den Reim); so scheintHaus mit dem sogenannten Knittelverse auch der erste, ursprüngliche
un- Schritt zur Verskunst gethan zu seyn. Man begann mit dein Reime
eilen als dem, dem Gehöre am unentbehrlichsten Erforderniß der Poesie
mden und ließ dann die metrische Eintheilung" des Verses späterhin nach-
ilich- folgen. Es versteht sich von selbst, daß der Knittelvers, als fal-schen cher, durchaus auf keine eigentliche poetische Behandlung Anspruch
sein macht, sondern, daß er im Gegentheile sogar die schlichteste, ja
Zerk, selbst die gemeinste Prosa verträgt, ob er gleich deshalb durchaus
chem den eigentlichen poetischen Gedanken nicht von sich ausschließt. Wir
rber, besitzen Knittelverse in unsrer Poesie, die über viele eigentliche poe-
rden tisch« Verse bei weitem den Sieg davon tragen. Uebrigens bedient
lmn man sich ihrer bei dramatischen Werken nur in der eigentlichen Posse,
nur so wie, als Dichtungssorm, nur zur Darstellung trivialer Gegen-
!nig- stände, in welchen beiden Fällen der niedrigkomische Effect den
vor, Hauptzweck der Darstellung ausmacht. Eben um diesen Effect zu
wir erhöhen, ist, wie es scheint, der Reim bei dem Knittelversen gerade
>ten- wirksamer, wie jedes andere Hülfsmittel. Denn da der eigentliche
mit Grundsatz des Komischen einzig und allein in der gänzlich verkehr-
, in ten Zwecklosigkeit besteht; s» scheint der Knittelvers, dem bei seiner
rnn, übrigen unpoetischen Natur der Reim, als etwas wahrhaft Poeti-
dem sches, gerade zur höchsten Zweckwidrigkeit, also zur höchsten Komik
eine gereicht, zum eigentlichen Niedrigkomischen sehr brauchbar zu seyn.
inen Und diesen Effect erreicht der gute Knittelvers (denn es giebt auch
,on unter den Knittelversen gute und schlechte), besonders in der Posse
ns- auch ganz vollkommen. Als Gesetz eines guten Knittelverses kann
ron man folgende zwei Erfordernisse aufstellen: erstlich muß die Gleich-
i an heit der Versart mit Sorgfalt vermieden und dahin gesehen wer-
vsn den, daß Jamben, Trochäen, Spondäen und Daktylen stets mit
>an einander abwechseln, weil gerade dieses bunte Gemisch von VersenSc- und die Regellosigkeit derselben zur Wirksamkeit des Komischen aus-nehmend beiträgt; zweitens muß man in der Länge und Kürze der,em einzelnen Strophen die möglichste Gleichheit beobachten und dahinden streben, daß eine Strophe etwa dieselbe Länge bekomme, wie dirand andere, weil es dem Ohre unangenehm seyn würde, den Reim
Der nicht stets etwa in derselben Zeit zurückkehren zu hören. Auch gilt
oird für den Knittelvers, was für eigentliche poetische Verse, ja sogar
,eil. für bloße Prosa gilt: die Diction desselben muß so natürlich, un-
»nt. gezwungen und klingend als möglich seyn. Dazu gehört, daß die
rei- Wiederkehr desselben Worts, jede Inversion, ja überhaupt jeder
>e», Anschein von Gewaltthätigkeit, vermieden werdeM- Knobelsdorf (Hans Georg Wcnceslaus, Freiherr von>, ein
>er- großes architektonisches Genie und der geschmackvolle Freund Fried-
der richs H., der dem Könige als Kronprinzen in Rheinsberg den Ge-
rlls sthmack der Malerei und Baukunst beibrachte. Er wurde 1697 ge-
stch boren, trat in königliche preußische Kriegsdienste, und stieg bis zum
erse Hauptmann. Im I. 17Z0 nahm er seinen Abschied, um sich ganz
sie der Malerei und Baukunst zu widmen, und that eine Reise nach
sin Italien und Frankreich, durch die er seinen Geschmack sehr bildete,
«»«». Lex. (N. AUfi.) V.