Kochkunst Kochsalz qvz
dergleichen Ueppigkeiten ward eilf Jahre vor dem dritten panischenKriege das sogenannte Fannische Gesetz gegeben, welchem zufolgeunter andern auch das Mästen der Hühner verboten wurde. Amhöchsten stieg die Verschwendung bei den Gastmählern der Römer,als Lucullus Asien besiegt hatte. Dieser hatt« in seinem Pallastemehrere, besondere Spcisesäle errichten lasse», welche nach ihrerRangordnung die Koste» des Gastmahls, welches darin gegebenwerden sollte, zu bestimmen pflegte. Ein Abendessen in dem erstendieser Säle kostete ungefähr 7,000 Thaler nach unserm Gelde. Un-ter Pompejus erfand M. Aufridius Lurco das Mästen der Pfauenund hatte in kurzem 60,000 Sestertien mit dieser Kunst verdient.In dieser Zeit ließ ein Schauspieler auf einem Gastmahle eineSchüssel auftragen, welche ro,ooo Franken kostete. Sie bestand ausSing - und Sprech-Vögeln, von denen jeder 600 Franken gekostethatte. Der Sohn jenes Schauspielers trieb die Verschwendung nochweiter: er bewirthete seine Gaste sogar mit Perlen, die er in Essigauflösete. Unter Tiberius gab es in Rom bereits ordentliche Schu-len und Lehrer der Kochkunst; unter ihm zeichnete sich auch die Familieder Apicier aus, deren einer viele neue Speisen, z. B. ein salzigesGericht aus der Leber der Fische, manche Küchengeschirre, und dieKunst, die Schweine mit trockenen Feigen zu mästen, erfand. Einanderer dieses Namens schrieb sogar ein Kochbuch, welches das älte-ste ist, das wir besitzen, und erfand die Kunst, die Austern frischzu erhalten. Der Kaiser Vitellius ward einstens von seinem Brudermit 2,000 auserlesenen Fischen und 7,000 BKgeln bewirthet: Vitel-lius selbst ließ einmal in einer einzigen Schüssel die Lebern, Jun-gen, die Milch und das Gehirn von vielen theuern Vögeln undFischen auftragen.
Kochsalz (Küchensalz), ein Mittelsalz aus dem salzsau-ren Geschlechte, heißt nach der neuern Chemie kochsalzgesäuer-te Soda (murints cie soncko). Es hat bekanntlich einen reinsalzigen Geschmack, schießt in würflichen Krystallen an, welche ander Luft beständig sind und daselbst weder zerfließen, noch verwit-tern. Nur unreines Kochsalz nimmt Feuchtigkeiten auf und zerfließt,-sm Feuer zerspringen die Kochsalzkrystalle mit lautem Geknister,weil ihr Krystallisationswasser plötzlich ausgedehnt wird und zer-fallen zu Pulver, welches glühend wird und hernach zerfließt. Beieinem sehr hohen Grade von Hitze löset sich das Salz im Wärme-stoffe auf und geht in Gasgestalt über. In drei bis vier TheilenWasser löset sich ein Theil davon auf. Die Bestandtheile des Koch-falzes sind Kochfalzsaure, Soda und Wasser. Es findet sich in be-trächtlicher Quantität im Thier- und Pflanzenreiche; weit häufigeraber theils in festen Massen in der Erde, theils in Wasser aufge-löset. Das erste natürliche Kochsalz heißt Steinsalz, und wirdrn Polen, Rußland, Siebenbürgen, Ungarn, Deutschland, Eng-land, der Schweiz und andern Ländern bergmännisch gewonnen.Bei Hallcin im Salzburgischen und bei Halle in Tyrol giebt es«alzberge. Der bei Cordova in Spanien ist so groß, daß man!^" 5 ./^^echte Höhe auf 5 oo Fuß und seinen Umkreis auf einedeutsche Meile schätzt. Das merkwürdige Salzbergwerk zu Wieliczka
Cracau in Polen scheint unerschöpflich zu seyn, denn «ss liefertiqon seit dem iZten Jahrhunderte das Steinsalz in ungeheuern Massen,«ever den Umfang und die übrige Einrichtung desselben verdient in»ahm gehörigen Schriften nachgelesen zu werden. Das im Was-