Band 
Fünfter Band. Von I bis L.
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Königsmark 4"

geographische Kenntnisse und war Dichterin in der französischen unditaliänischen Sprache. Voltaire urtheilt von ihr, bei Gelegenheiteines ihrer französischen Gedichte, man könne glauben, die Verfas-serin sey zu Versailles geboren. Auch war sie Tonkünstlcrm, sangvortrefflich, spielte die Laute und Gambe zum Bewundern und com-xonirte für diese Instrumente. Ueberdem malte sie auch in einerVollkommenheit, von der noch jetzt einige ihrer Werke zeugen, diein Quedlinburg vorhanden sind. Mit diesen mannigfaltigen und aus-gezeichneten Talenten verband sie den feinsten Witz und die reizendsteUnterhaltungsgabe. So ausgebildet kam sie, in Begleitung ihrerbeiden Schwestern, im I. 1694 nach Dresden, um daselbst in einer«rbschaftsangelegenheit, welche sie in Hamburg hatte, die Verwen-dung des Kurfürsten zu suchen, der, vermöge feiner Verbindungmit dem Hofe zu Wien, auf den parteiischen Hamburger Magistrateinzuwirken vermochte. Der Kurfürst sah die Gräfin, entbranntevon heftiger Liebe zu ihr und wandte alle Künste der Verführungan, um die junge Königsmark sich günstig zu machen. Nach tau-send vergeblichen Bemühungen gelang ihm sein Vorhaben, undAurora erschien öffentlich als die Maitreffe des Kurfürsten. Sieschenkte ihm darauf einen Sohn, den der Vater Moritz nannte,man sagt, zum Andenken der Moritzburg, auf welcher der Kurfürstden Besitz seiner Geliebten und der Sohn Daseyn erhalten hatte.Dieser Moritz hat sich hernach, unter dem Namen des Marschallsvon Sachsen, zu einem der ersten Helden Europa'« emporgeschwun-gen. Bald aber erlosch die Leidenschaft des Kurfürsten für die Grä-fin und machte der Liebe zu einem andern Gegenstände Platz. DieGräfin ertrug ihr Schicksal mit Würde und flößte selbst noch alsverstoßene Geliebte nicht allein dem ungetreuen Geliebten, sondernauch dem Hofe und dem Publikum, Achtung und Ehrerbietung ein.So geschah es, daß sie mit dem Kurfürsten in dem innigsten Freund-schaftsverhältnisse blieb, nachdem sie schon längst aufgehört hatte,seine Geliebte zu seyn. Auf fein Verwenden ward sie vom wienerHofe zur Probstin des Stifts Quedlinburg erhoben und daselbst am»4. Mai 1700 feierlich eingeführt. Von dieser Zeit an hielt sie sichabwechselnd zu Quedlinburg und zu Dresden auf. Wie sehr sie sichdie Achtung und Freundschaft des Kurfürsten, der nun König vonPolen geworden war, zu erhalten gewußt, und wie groß dessenBegriffe von ihrer Klugheit und Einsicht seyn mußten, erhellt dar-aus , daß er sie 1702 zu Carl XII. sandte, um mit diesem eineFriedensunterhandlung einzuleiten. Als dieser jedoch in bestimmte»Ausdrücken erklärt hatte, daß er sie nicht sehen wolle, mußte dieGräfin unverrichteter Sache wieder zurückreisen. In ihren Verhält-nissen, als Stiftsdame, lebte sie in ewigen Streitigkeiten mit denübrigen Damen, welchen theils die glänzendere Lage der Gräfin,theils auch der Schutz, dessen diese bei dem Könige von Polen, unbdurch ihn am kaiserlichen Hofe, genoß, einen unversöhnlichen Neidgegen die Gräfin eingeflößt hatten. Für diese Unannehmlichkeitenward sie einigermaßen entschädigt durch die Achtung und Huldigungzahlreicher Fremden, welche von allen Seiten kamen, die Gräfinkennen zu lernen und unter welchen sich die ersten Personen Euro»pa's befanden. Der merkwürdigste und ehrenvollste Besuch warunstreitig der, welchen sie 1711 von Peter I. erhielt, welcher nebstden Herzögen von Braunschwcig Rudolph August und Anton Ulrich,die sich ebenfalls mit der ganzen herzoglichen Familie daselbst ringe-