4^6 Körner
hende Liebe für Alterthum, Kunst und Poeste; von ersterem insbe-sondere wurde er in das Heiligthum der Geschichte eingeführt, ausderen Quelle er Stoff für seine poetischen Versuche schöpfte. Da-bei war ihm sein würdiger Vater der beste Freund und Lehrer.Er besuchte zuerst die Bergakademie in Freiberg, und hatte, wieman auch aus seinen Gedichten sieht, viel Interesse für den Berg-bau. Auf seinen Reisen ging er auch späterhin oft als Bergmanngekleidet, hatte Bergwerksinstrumente bei sich, sammelte oft mitLebensgefahr Steine auf Felsenklippen u. s. w. Im I. iZio be-zog er die Universität Leipzig. Hier lernte ihn der Vers. diesesArtikels kennen, welcher die weitere Beschreibung Körners aus ei-nem von ihm früher in den deutschen Blättern (blro. 4Z.) mitge-theilten Aufsätze entlehnen will. Sein Aeußeres war nicht geradeeinnehmend, aber ein fester Körper, munteres Gesicht, und einbunkclglänzendes, immer bewegtes Auge, zog bei näherem Betrach-ten zu dem lebendigen Natursohne hin. In seinem Umgänge zeigtesich ein deutscher gerader Sinn, «»gemessen in Ausdrücken, aberherzlich gegen jeden Hochgesinnten. Kleinliche Pedanterie und Ver-stellung haßte er tödtlich. Der Ton der Welt war ihm Zwang:um so mehr mußte ihm der Umgang jugendlich kräftiger Menschengefallen, die ihn liebten, und welchen er sich so fest anschloß, daßer selbst ihre Rohheiten annahm, und sich in den bizarrsten Aeuße-rungen akademischer Freiheit sehr wohl gefiel. Dessen ungeachtetunterschied er sich von den meisten seines Umganges durch eine frü-her erlangte Cultur und gleichsam angeerbte Kunstliebe und Begei-sterung , welche sich in der gebildeteren Gesellschaft durch glücklicheund pikante, nur. nach Zugendart, meistens zu stark ausgesprocheneEinfälle, und durch ein ungemeines Talent poetischer Improvisationund Versification mitzutheilen liebte. Dabei widersprach die durchUebung schon erworbene Politur und äußere Harmonie seiner poeti-schen Erzeugnisse *), seinem eigenen Aeußern auf seltsame Art: sey«S nun, daß er auch hier jugendlich renomirte, und in seinem Be-tragen für nachlässiger gelten wollte, als er eigentlich war, sey es,daß er die Beispiele großer Künstler und Virtuosen, die er im vä-terlichen Hause zu sehen vielfältige Gelegenheit gehabt, auch inHinsicht der äußeren Seiten und ihrer vielfältigen Bizarrerien, dirman mit dem Verdienste oft auf gleiche Weise zu bewundern pflegt,bewußtlos nachzuahmen strebte. So gährend sein Leben damalswar, so gefiel er sich doch stets in den zarten Fesseln der Fraucn-zucht. In Löbigau, einem reizenden Landsitze der Herzogin von Eur-land, die seine Pathin war, lebte er mehrere glückliche Wochen,und schrieb täglich eine Art poetischer Zeitung. So anmaßend undso vernichtend oft seine Anssprüche über Literatur Und Kunstpro-dukte klangen, so empfänglich war er doch für jede gegründete undwohlgemeinte Belehrung: ja, wo er nur einem Kunstfreunde begeg-nete, der über flachen Dilettantismus erhaben war, da schloß sichauch sein Herz in großer, erwärmender Begeisterung auf. In denmeisten seiner damals bekannt gewordenen Versuche zeigte sich dasTalent, einzelne poetische Momente schnell und leicht in gebildetenWerfen zusammenzustellen; aber meistens ergriff er nur romantischeSchatten und Kläyge, statt des poetischen Geistes. Eine Erin-nerung deshalb konnte damals keine tiefere Wirkung auf ihn ma-chen , da er in jenen glänzenden, doch unstäten Jünglingstraumen*) Man vergl. Knospen von Theodor Körner, Leipzig bei Göschen, »«>'-