Kosacken 421
nig. Es ist möglich, daß sich beides auf die Landschaft Kaschia,von Constantin Porphyrogeneta also benannt, zurückführen läßt.Im Türkischen bedeutet das Wort Kazak einen Räuber, im Tar-tarischen aber einen leichtbewaffneten Soldaten. Da die Kosackenin der That aus den großen Gefilden jenseits der Wolga herstam-men; so können sie allerdings Ueberbleibscl von verschiedenen Tür-ken- und Tartarhorden seyn, welche sich zu verschiedenen Zeiten da-selbst niedergelassen baden. Mit der Zeit wuchs ihre Zahl, und siebreiteten sich dann in mehreren Gegenden aus, so wie sio von krie-gerischen Unternehmungen von neuem dahin geführt wurden. Indem russischen Reiche machten sie von jeher, und auch jetzt noch, ei-nen besondern Stand und Theil der russischen Nation aus. IhreEinrichtung daselbst erhielten sie nach Zerstörung des tartarischenReichs, als sie von der Regierung zur Grenzwehr berufen und mitLändereien beschenkt wurden. Jetzt bilden sie größtenthcils (beson-ders der Konische Stamm, der überhaupt noch am unabhängigstenist) die irreguläre Reiterei der russischen Armee, in eigne, abgeson-derte Hausen eingetheilt. Die Verfassung der klcinrussischen Ko-sacken ist jedoch schon beschränkter-, letztere sind mehr nach europäi-scher Sitte organisirt, und können fast für reguläre Truppen gel-ten. Die Kosacken haben keinen Adel unter sich: alle sind gleichund können, ohne sich herabzusetzen, bald befehlen, bald gehorchen.Die Vorgesetzten werden von ihnen aus ihrer Mitte gewählt, undbloß die Oberbefehlshaber von der Regierung bestätigt, und diesekönnen auch nur mit Genehmigung derselben wieder abgesetzt wer-den. Die Befehlshaber stehen sämmtlich im Solde der Krone, diegemeinen Kosacken aber nur so lange, wie sie im Dienste sind.Stets auf eigene Kosten bekleidet, beritten und bewaffnet, dienensie vom achtzehnten bis zum fünfzigsten Jahre. Ihre Regimenter(Pulks) sind nach Verhältniß der Größe des Kreises, von 5oo bis8ooo Mann stark, und werden von einem Obersten (Hettmann, ei-gentlich in ihrer Sprache Atamann) befehligt. Auch der Ober-befehlshaber sämmtlicher Corps führt den Titel Hettmann. DieOffiziere bis zum Obersten (die Offiziere einiger Regimsnter, diegleichen Rang mit den Offizieren in der Armee haben, ausgenom-men) sind ohne Rang, und können im Entstehungsfalle Unteroffi-zieren von der regulären Armee untergeordnet werden. Jeder Ka-sack muß sein eigenes Dienstpferd haben, und sich polnisch oder orien-talisch kleiden, wobei die Farbe und Güte der Kleidungsstücke gänz-lich seiner Willkühr überlassen bleibt. Ihre Hauptwaffe ist dieLanze; nebenbei führen sie einen Säbel, eine Flinte oder ein PaarPistolen, auch wol nur Pfeil und Bogen. Die Lanze wird im Rei-ten, vermittelst eines Riemens auf dem Fuße, am Arme oder Sat-telknopfe hängend, aufgerichtet getragen. Die Bogenschützen tragen«men Köcher über der Achsel, und die Lanzen sind meistens mitbunten Fähnchen geschmückt. Auch der Kantschu, ihre aus Leder dickgestochtene Kardätsche, dient ihnen zur Waffe gegen unbewaffneteFeinde. Weniger geschickt zu eigentlich taktischen und regelmäßigen«ewegungen, thun sie Wunder bei Anfällen auf Bagagen, Maga-zine und beim Verfolgen zerstreuter Corps. Ihre Pferde sind kleinsehen elend aus, sind aber dauerhaft, gut zugeritten und so«P^ell, daß sie, da sie nicht in geschlossenen Haufen zu reiten brau-chen, nur wenig oder gar kein Gepäck führen, ohne sonderliche Be-schwerde, und mehrere Tage nach einander, ir bis iS Meilen zu-