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Fünfter Band. Von I bis L.
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422 Kosacken

rücklegen können. Jeder Pulk hat zwei ober mehrere seidene Fah-nen, welche größtentheils mit Heiligenbildern geziert sind. Alleübrige kriegerische Geräthschaften, sie mögen Namen haben, wie siewollen, sind ihnen fremd. Die Taktik der Kosacken, und ihre Art,im Felde zu fechten, besteht vorzüglich darin, daß sie sich in kleinen,getheilten Haufen ausstellen, und mit solchen den Feind auf alle»Seiten, vornehmlich auf den Flanken und im Rücken, unter einemlauten, fast dem Geheul ähnlichen Geschrei, mit gefällten Piken inder stärksten Carriere angreifen. Ist es ihnen gelungen, durch ei-nen solchen wüthenden Anprall den Feind zu theilen; so lassen siedie Pike fallen, die an einem Riemen nachschleppt, greisen zumSäbel oder zur Pistole, und richten dadurch große Niederlagen an.Finden sie Widerstand, und ist die Möglichkeit zum Eindringennicht vorhanden; so stäuben sie gleich auseinander, fliehen eiligst zueinem bestimmten Sammelplätze, bilden dort abermals kleine Hau-fen, und erneuern ihre Angriffe so lange, bis der abgemattete Feindzur Flucht gebracht ist. Dieß ist dann der entscheidende Augenblick,wo sie unter die Zerstreuten oder Fliehenden Tod und Verderbenbringen. Der Meinung, daß die Kosacken von den Tartaren ab-stammen sollen, Haben wir bereits oben erwähnt. Wahrscheinlichist die Vermuthung jedoch, daß sowol die dänischen, als die klein-russischen (maloroffischcn) Kosacken von zusammengelaufenen, verwe-genen russischen Abentheurern der nowogorodischen Provinzen ent-standen sind. Ihre Absicht war das Beutemachen in den Kriegenund Fehden mit den Tartaren auf den Grenzen des russischen Reichs.Da sie durch diese Bestrebung zu einer sicher» Bedeckung der Grän-zen desselben wurden ; so ließ ihnen die Regierung große Begün-stigung angedeihen, wodurch dann diesem gleichsam immer stehendenFreicorps, besonders als man demselben auch Land einräumte, einbedeutender Aulaus verschafft wurde. Dadurch gewannen sie nunnicht allein an Stärke, sondern auch an innerem Gehalte und dau-erndem Bestände. Die offenbare physische Verschiedenheit, welchezwischen ihnen und den eigentlichen, besonders den nördlichen RussenStatt findet, von denen sie sich durch regelmäßigere Gesichtszüge,einen besseren Wuchs, durch große Reinlichkeit, und besonders durcheine Art von luxuriöser Cultur auszeichnen, liegt wahrscheinlich dar-in, daß diese Abcntheurer, die natürlich keine Weiber mit sich füh-ren konnten, tatarische und circaffische Frauen raubten, und dadurchihren Nachkommen eine abweichende Physiognomie ertheilten. ImI. 1S70 erbauten sie endlich ihre Hauptstadt Tscherkaskoi,7°Wcrste oberhalb Asow, auf einigen Inseln mitten im Don. Siekann das tartarische Venedig genannt werden, denn ihre Häuserruhey auf hohen, hölzernen Pfeilern, und sind durch kleine Brückenin Verbindung mit einander gesetzt. Jur Zeit der hohen Gewässerscheint die Stadt, von welcher alsdann nur die Häuserspitzen her-vorragen, auf dem Wasser zu schwimmen. Die Stadt hat ansehn-liche Kirchen, deren Inneres reichlich mit Gold und Edelsteinen aus-geschmückt ist. ES ist daselbst sogar ein Theater vorhanden, aufwelchem regelmäßig gespielt wird. Man findet mehrere Privatbi-bliothekcn in dieser Stadt, ferner eine Lehranstalt, in welcher dieÄosacken-Jugcnd französisch, deutsch, Geometrie, Geschichte, Geogra-phie , Physik rc. gelehrt wird. Die Stadt besitzt einen auSgebm-teten Handel, der durch Griechen, Armenier , Juden rc. noch leb-hafter gemacht wird. Die Pracht der Kosacken - Weiber daselbst