Kosacken Kosegarten 423
zeichnet sich insbesoddere aus. Im I. 1679 machten §000 konisch«Kosacken den ersten Feldzug mit den Russen nach Liefland. Danneroberten sie Sibirien, drängten die Tataren aus vielen russischenProvinzen zurück und trugen zur Beilegung der Türken bei. Dietonischen Kosacken widersetzten sich auch öfters den Befehlen derrussischen Regierung: so lebten sie unter der Anführung des furcht,baren Pugatscheff im offenbarsten Aufruhre gegen Rußland. Au«diesen Empörungen entstanden nothwendige Spaltungen unter denKosacken, und die große Stammfamilic zerfiel in mehrere einzelneilnterabtheilungen, von welchen wir die vornehmsten bereits obennamhaft gemacht haben. Unter diesen sind die sibirischen Ko-sacken die eigentlichen Eroberer und ersten russischen Colonistender sibirischen Wüstenei. Dieser Zweig des großen konischen Fami-lienstammes entfloh nämlich, etwa 7000 Mann stark, um der Strafefür mehrere begangene Verbrechen zu entgehen, im I. 1S77 nachder Kama und nach Permien, später sogar bis an den Ob. Dortverjagten sie die ansässigen Wogulen, Ostjaken und Tartaren. Al«sie jedoch bei diesem immerwährenden Kämpfen mit den dastge»Einwohnern am Ende selbst bis auf ein kleines Häuflein zusam-mengeschmolzen waren, und der Anführer nicht hoffen durfte, da«Eroberte fernerhin behaupten zu können; unterwarfen sie sich derrussischen Regierung, baten um Verstärkung, und erhielten sie auch.Dadurch ist nun dieser Stamm der Kosacken gleichsam zum Herrnvon Sibirien geworden. Ueber die Stärke der Kosacken im Allge-meinen sind verschiedene Meinungen vorhanden. Archenholz gab dieZahl der wirklich streitbaren Männer unter denselben auf 700,00c»an. Man darf aber dreist behaupten, daß nicht die Hälfte im wirk-lichen Dienste ist. Zwei Drittel von dieser Hälfte werden überdemnoch zum inneren Dienste gebraucht, und kommen nie nach Europa,so, daß also nicht viel mehr als 100,000 Mann der russischen Re-gierung für den Krieg von Europa zu Gebote stehen möchten.Während des siebenjährigen Krieges hatte die russische Armee nichtmehr als ,0,000 Mann Kosacken.
Kosegarten, Ludwig Lheobul, wurde 1753 zu Grevesmüh-len, einem meklenburgischen Städtchen, drei Meilen von Wismarnach Lübeck zu, geboren. Nachdem er hier seine erste Bildung em-pfangen hatte, studirte er zu Greifswalde, war dann eine Zeit langErzieher in einer adligen Familie, und wurde hierauf Rektor derSchule zu Wolgast in Schwedisch-Pommern. Zu Ende des Jahre«1791 ward ihm die erste Lehrerstelle am Lyceum zu Riga angetra-gen, welchen Ruf ihn Hang zur Ruhe, Vorliebe fürs Landlebenund Hinsicht auf seine wankende Gesundheit einem späteren aufzu-opfern bewogen. Im I. 1792 erhielt er die Stelle eines Propstesauf der Insel Rügen, und wurde im folgenden Jahre Doctor derGeologie. Aus dieser patriarchalischen Insel lebte er im Genuß derNatur, seiner Familie, der Poesie, den Wissenschaften, und in ach-tungswürdiger Ausübung seines Amtes, eine Reihe von glücklichenwahren, bis er im I. 1807 den Ruf als Professor der Geschichtenach Greifswalde annahm, wo er noch gegenwärtig lebt und wirkt.Die Früchte seiner Muße hat er von Zeit zu Zeit der Welt mitge-theilt, und seine Gedichte, feine P 0 esieen, seine Rhapso-den, seine Legenden, sein brittisches Odeum, seineepisch-'"hillschen Gedichte, Jucunde und die Jnselfahrt, mehrereucbersetzizagen, unter denen Richardsons Clarissa sich Vortheilhaft