Band 
Fünfter Band. Von I bis L.
Seite
425
JPEG-Download
 

e Kosciuszko 425

^ ohne Würde, ohne Kraft, des Rechts, sich eine Verfassung zu ge-hen, meineidig beraubt, und als Staat und Nation dem Unter-gänge nahe gebracht. Catharina II. und Friedrich Wilhelm II. hat-ten im I. 1796 den Reichstag zu Grodno gezwungen, in die Ab-tretung einer tzändermasse von 6000 Quadratmeilcn zu willigen.Aber auch der Rest, ein Drittbeil des ehemaligen Königreichs, wardals Staat, nach den Vorschriften des russischen Gesandten Grafenvon Sievers, und des Generals Jgelström, der zugleich die russischenTruppen in Warschau befehligte und Gesandter war, so vonRußland abhängig, daß er, ohne Rußlands Einwilligung, die ihmaufgedrungene Berfaffungsform nie ändern oder verbessern sollte.Da beschlossen insgeheim die Edleren unter den Polen, die Ausge-wanderten in Sachsen, und an ihrer Spitze in Leipzig Kos-ciuszko, der in America unter Washington seinen politischenund militärischen Charakter rein und fest ausgeprägt, ihn auch indem letzten kurzen Kämpfe gegen die Russen im I. 1792 bewahrthatte, einverstanden mit den Gleichgesinnten im Lande, das Aeu-ßerste zu wagen, oder' mit Ehren zu fallen. Die polnische Armeewar theils unter die russische gesteckt, theils sollte sie bis auf 16,000Mann vermindert werden. Die Russen, unter dem willkührlich har-ten und unklugen Jgelström, hielten Warschau und mehrere StädtePolens besetzt. Da widersetzten sich in Posen 1400 Polen der Re-duktion mit gewaffnetcr Hand; Madalinski brach voreilig los, griffrussische und preußische Truppen an, nahm Borräthe weg und drangaus Eüdpreußen gegen Cracau vor; Kosciuszko aber bemächtigter sich d. 23 . März 1794 der Stadt Cracau, wo er als Haupt der

! cracaucr ConfLderation, die Polen aufrief, die Constitulion vom

! 3 . Mai 1791 wiederherzustellen. Um ihn sammelte sich ein Heer

> von 27,00a Mann. Mit 4000 Mann schlug er bei Raclawice,

d. 4. Apr. 1794, 12,000 Russen. Warschau und Wilna erklärtensich im April, nachdem sie die russischen Besatzungen getödtet odergefangen hatten, für die Sache des Vaterlandes. Es fielen Revo-lutionsgräuel vor; aber wer hatte sie anders veranlaßt, als Solda-tendruck und Bcrrätherei? Wer that ihnen Einhalt? Der rechtliche,feste Muth des Wiederherstellers der Freiheit: Kosciuszko. DerKönig von Preußen belagerte Warschau mit 5 c>,ooo Russen und. Preußen; allein der allgemeine Aufstand in Südpreußen unter Dom-browski, der Verlust eines Artillerie-Transports, und Kosciuszkomit iS,c>oo Mann nöthigten ihn, die Belagerung aufzuheben. Sobehaupteten sich der kühne Feldherr und die Nation mit 20,00c»

, Mann regelmäßiger Truppen und 40,000 schlechtbewaffneter Bauern,die Kosciuszko allein in Mannszucht und Kriegskunst zu üben ver-stand, gegen vier feindliche Heere, die zusammen gegen i6c>,oc>c> MannHark waren. Seine größte Macht war das Vertrauen seiner Mit-bürger. Der Neffe des Königs, einst sein General, diente unterihm. Niemand zweifelte an seiner Bürgertugend, welche durch ächteReligiosität das Volk begeisterte. Kosciuszko verwaltete die Repu-blik als Dictator, aber mit Washingtons Rechtssinn und mit Cä-sars Thätigkeit. Er sorgte für alles, für die Verpflegung der Trup-pen, für Anschaffung der Kriegsbedürfnisse, er leitete die Einnah-men und Ausgaben selbst, um Plünderung oder Betrügerei zu hin-dern; aus dem Staatsrathe flog er aus das Schlachtfeld. SeineTage und feine Nächte, alle seine Kräfte, jeder Gedanke war demVaterlan-e geweiht. Zugleich sicherte er den Gang der Gerechtig-