Kotzebue 4Zi
Freude, als bald nachher die Herzogin Amalie eine stehende Bühneerrichtete, und unstreitig die beste, welche damals in ganz Deutsch-land zu finden war. Die Familien Seiler, Brandes, Boeck undder unsterbliche Eckhof kamen nach Weimar. Meine Leidenschaft fürdie Bühne wuchs mit jedem Lage, und sicherlich war ich jedesmalunter allen Zuschauern, groß und klein, der aufmerksamste. Ei»unglücklicher Brand legte das weimarsche Schloß, und mit ihm denSchauplatz meiner Freuden in die Asche. Die Gesellschaft wurdeverabschiedet und ging nach Gotha. Ich widmete ihrer Abreise man-che Thräne. Uebrigens verdanke ich jener Epoche den größten Theilder Bildung meines Verstandes und Herzens. Jede edle Empfin-dung wurde in mir geweckt» und durch Eckhofs göttliches Spielmeine Vernunft und Phantasie mit Ideen und Bildern bereichert,welche mir ohne dieses Vehikel nie so anschaulich geworden wären."Kotzebue besuchte um diese Zeit das Gymnasium, wo Musaus, nach-mals sein Oheim, durch Unterricht und Beispiel vorzüglich und viel-leicht ausschließlich auf ihn wirkte. Göthe und Klingcr gingen da-mals in seinem Hause öfter« aus und ein. Es konnte nicht fehlen,daß in dem frühen Umgänge mit solchen Männern als Musäus,Göthe, Klinger, seine Talente den Grad von Ausbildung erhaltenmußten, dessen sie fähig waren. Er war noch nicht völlig -6 Jahrealt, als er aus die Universität nach Jena ging, wo seine Liebe fürdie Schauspielkunst in einem Liedhabertheater neue Nahrung fand.Aus Liebe zu seiner Schwester, die sich nach Duisburg verheirathete,ging er eine Zeitlang auf diese Universität, von wo er 1799 nachJena zurückkehrte, und sich mit ziemlichem Eifer auf die Jurispru-denz legte, ohne darum aufzuhören mit Herz und Sinn für dasLiebhabertheater zu leben, und mancherlei zu dichten, was sich je-doch nicht eben sonderlich auszeichnete. Ein kleines Lustspiel aber:die Weiber nach der Mode, gelang besser, und hatte einige wirklichkomische Züge. Da es durch eingewebte Gtadtanekdötchcn Beifallerhielt, so erzeugte dieß vielleicht in ihm seinen Hang zur Satyre.Bald hierauf wurde er examinirt und Advokat. Jetzt genoß er ganzdie Freundschaft des redlichen Musäus, kam täglich mit ihm in des-sen Garten zusammen, schriststellerte mit ihm an einem Tische, auseinem Dintenfasse, und versuchte nun, was er bereits mit Wieland,Göthe, Hermes und Brandes gethan, auch Musäus nachzuahmen,wovon sein Ich, eine Geschichte in Fragmenten, die imGanymed für die Lesewelt erschien, den Beweis liefert. Zu Leipzigließ er ein Bündchen Erzählungen drucken, und ging hieraufun Herbst des Jahres 178» nach Petersburg, wohin er durch eine»Freund seines Vaters berufen wurde. Er wurde als Secretär beidem Generalgouverneur v. Bawr angestellt, und da dieser die Di-rektion des deutschen Theaters erhielt, so kam Kotzebue zufälligerllveise wieder in sein Element. Nach zwei Jahren aber starb Bawr.Da cr Kohebuen dem Sckutze der Kaiserin empfohlen hatte, so wur-^ °Aer zum Litularrath ernannt, und im I. -783 al« Assessordes VberappellationStribunals in Reval angestellt. Im I. 1782wurde er Präsident des Gouvernementsmagistrats der Provinz Esth-land , und als solcher in den Adelstand erhoben, einen Stand, den^wahrscheinlich durch sein Werk über den Adel versöhnen wollte,nachdem er ihn als Dichter so oft preisgegeben hatte. Zu Revalwar es, wo es seinem Talente gelang, eine Reihe von Werken zn«esern, welche die allgemeine Aufmerksamkeit auf ihn zogen, und