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Fünfter Band. Von I bis L.
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432 ' Kotzebue

ihn gar bald zum Liebling des Publikums machten. Seine'Leidender ortenbergischen Familie (1788 fg.) und seine kleinengesammelten Schriften (1787 fg.) beurkundeten zuerst seinegefällige, glückliche und mqnnichfaltige Darstellungsgabe auf eineglänzende Weise: vorzüglich waren es aber doch seine beiden Schau-spiele Menschenhaß und Reue und die Indianer inEngland, welche ihrem Urheber von einem Ende Deutschlands zudem andern den hinreiffendsten Beifall erwarben. Seine erschütterteGesundheit nöthigte ihn im I. 1790 zu einer Reise nach Pyrmont,wo er durch seinen berüchtigten Doctor Bahrdt mit der ei-sernen Stirne, den er unbesonnener Weise unter Knigge's Na-men erscheinen ließ, einen großen Theil der Gunst und Achtung ver-scherzte, die das Publicum ihm zugewendet hatte. Der Kummerüber den Tod seiner Gattin trieb ihn nach Paris, aus welchem diebeginnenden Unruhen ihn wieder vertrieben, worauf er eine Zeitlangin Mainz zubrachte. Er suchte um seine Entlassung an, erhielt sie,und zog sich 1795 auf das Land zurück, wo er sich 8 Meilen vonNarva in E' hland den kleinen Landsitz Friedenthal erbaute, undbis zum Herbste 1797 seiner Familie und den Musen lebte. Diejüngsten Kinder seiner Laune und etliche 20 Schauspie-le, welche einzeln namhaft zu machen unnöthig ist, gehören in die-sen Zeitraum. Jetzt erhielt er den Antrag, als Hoftheaterdichternach Wien an Alringcrs Stelle zu kommen. Er nahm sie an, undein ziemlicher Theil seiner Neuen Schauspiele, die nachher 18Bände anfüllten, erschien von ihm in jener Zeit. Da mancherleiUnannehmlichkeiten ihm seine Stelle in Wien verleideten, suchte ernach 2 Jahren um seine Entlassung an, und erhielt dieselbe mitaooo Gulden jährlicher Pension. Nachdem er hierauf kurze Zeit iuWeimar sich aufgehalten, entschloß er sich zur Rückkehr nach Ruß-land. Das Unglück,, was ihn an der Grenze traf, arretirt, vonseiner Familie abgesondert, und ohne zu wissen warum nach Sibi-rien geschleppt zu werden, zog die Aufmerksamkeit fast des ganzenrultivirtcn Europa auf sich. Ein günstiger Zufall rettete ihn. Einjunger Russe, Namens Krasnopolski, hatte Kotzebue's kleines Dra-ma: der Leibkutscher Peters des dritten, eine indirekteLobrede auf Paul I., ins Russische übersetzt, und da diese Ueber-setzung dem Kaiser Paul in der Handschrift vorgelegt wurde, ent-zückte ihn das Stück dergestalt, daß er sogleich Befehl ertheilte, denVerfasser aus, seiner Verbannung zurück zu holen, und er dem Zurück-gekehrten seine vollste Gnade zuwendete. Unter Anderen beschenkteer ihn mit dem schonen Krongut Worroküll in Liefland, übertrugihm die Direktion des deutschen Theaters, und ertheilte ihm denCharakter als Hosrath. Das merkwürdigste Jahr mei n e sLebens, welches Kotzebue damals herausgab, und worin er diesefeine Schicksale beschrieben hat, überhebt uns der weiteren Ausfüh-rung. Nach dem Tode Pauls l. wünschte Kotzebue in sein Vater-land zurückzukehren, bat um Entlassung, und erhielt dieselbe mitdem Titel eines Collegienrarhs und Beibehaltung seines Gehaltes.Er wendete sich wiederum nach Weimar, wo er kurze Zeit lebte;dann aber zog er nach Jena, wo er sich einen angenehmen Gartenanlegte. Mancherlei Irrungen, in welche er mit GLthe k«m, mach-ten ihn jedoch bald so verdrießlich, daß er auch diesen neuen Auf-enthalt wieder verließ, und im I. i8>or nach Berlin zog, wo er,vereinigt mit Garkieb Merkel, den Freimüthigen herausgab