Band 
Fünfter Band. Von I bis L.
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Kügelgen 469

reiche italienische Natur, wie in den historischen Bildern des äl-tern, jener nach dem Antiken strebende Schönheitssinn mit gemüth-vollen Affecten nicht zu verkennen. Der französische Revolutions-krieg hemmte jedoch bald die Verbindung Roms- mit den Rheinlän-dern; und es konnte den Brüdern kein Geld »verschickt werden.Gerhard reiste daher den 14. Febr. 1795 mit einem jungen Lief-länder, der sein Freund war, von Rom zu Fuß nach München, umdurch Portraitmalen sich Unterstützung zu verschaffen. Hier fander bei seiner Ankunft Briefe von seinem Bruder aus Rom, derihm meldete, daß er unterdessen die Bekanntschaft des Lord Bristolgemacht, welcher mehrere Bilder von den Zwillingen gekauft undandere bestellt habe; auch war die Pension nebst andern Geldernangekommen. Doch Gerhard wollte bis zur Rückkehr seines Bru-ders aus Italien die Gallerie in München zu seinem Studiren be-nutzen. Hier sah er eines Morgens einen kleinen schwarz geklei-deten Mann, der mit großer Verwunderung ihn betrachtete. Eswar Lord Bristol, der nicht wenig staunte, den jüngern Kügelgen,welchen er mit Aufträgen in Rom zurückgelassen hatte, hier aufeinmal wieder vor sich zu sehen. Wie nun den Engländer dasAußerordentliche leicht anspricht, so verschaffte diese Ueberraschnngdem ältern Zwilling sogleich die volle Zuneigung des kunstliebendenbrittischen Sonderlings. Er kaufte mehrere seiner Bilder, wollteihm Aufträge über Aufträge geben, und bot ihm eine Verlänge-rung der Reisepension von loo Duc. jährl. aufunbestimmteZeit an. VollFreude meldete der junge Künstlerdiesen Antrag seinem Freunde, mitdem er aus Italien nach Deutschland gewandert war, und der sichdamals in Lausanne aufhielt. Allein derselbe kam ihm mit demdringenden Wunsche entgegen, er solle mit ihm nach Riga reisen,wo er als Kind in seiner Eltern Hause alles Liebe erfahren werde.Dieser Plan lag dem jungen Liefländer so sehr am Herzen, daß ererklärte, er wolle nur mit seinem Freunde, oder nie seiner ElternHaus wieder betreten. Der junge Künstler stand jetzt an einemdunkeln Scheidewege. Dort riefen ihn zu sich sein Bruder undItalien, hier ein Freund und ein unbekanntes Land. Aber dieserFreund hatte im Augenblicke der Noth mit ihm sein Reisegeld wieein Bruder getheilt, und da er die lange beschwerliche Reise mitder vollen Summe bequem im Wagen hätte machen können, war erdem Freunde zu Liebe mit ihm den ganzen Weg zu Fuße gegangen.Der Künstler entschloß sich, erst den Freund in seine Heimath zubegleiten, und dann sein Schicksal von der Zukunft zu erwarten.Da er während seines vierteljährigen Aufenthalts in Münchenviele Miniaturportraits gemalt hatte, so fehlte es ihm nicht anMitteln zu der weiten Reise. Im September 1796 kamen beideFreunde in Riga an, wo Kügelgen die liebreichste Aufnahme fand.Unterdessen hatte sein Bruder Karl in Rom die Aufträge des LordsBristol vollendet; da ihm aber die Revolutionszeiten den länger»Aufenthalt in Italien verleideten, so folgte auch er der EinladungGerhards nach Riga, wo er ebenfalls der den kunstsinnigen undedelfühlenden Bewohnern dieser Stadt eine liebevolle Aufnahmeund viel Beschäfftigung fand. Nach einem Aufenthalte von mehrernwahren wollten die Zwillinge, vor der Rückkehr in ihr vom Re-volutionskriege noch immer schwer bedrücktes Vaterland, auch St.Petersb^g besuchen. Die Kalte von Zr Grad, welche sie bei ihrerAnkunft in dieser Stadt im December »799 sehr unfreundlich em-