474 Kuhblattern Kuhlichan
bei welcher sie Blattern an dem Euter bekommen. Man unter-scheidet bis jetzt die Windblattern, weißen, gelben, schwarzen undblauen Knhblattern. Die letztere Art derselben, die blauen Kuh-blattern, kommen zuweilen bei frischmelkenden Kühen, besonders imHolsteinschen, in England epizootisch vor, und sind durch ihre Ei-genschaft , sich bei den Menschen durch örtliche Ansteckung fortzu-pflanzen, und diejenigen, welche dergleichen Blattern gehabt haben,vor der Ansteckung der Menschenblattern zusichern, besonders merk-würdig geworden. Das Weitere hierüber enthalten die Artikel Jn-oculatio», Impfen, Jenner. II.
Kuhlichan (.Tahmasp) auch Schah Nadir genannt, ge-boren im I. 1687, einer der größten und ausgezeichnetsten Män-ner, aber auch der abscheulichsten Monarchen, welche die Geschichtealter und neuerer Zeiten aufzunreisen hat. Er hieß eigentlich Na-dir und war anfänglich persischer Feldherr, verließ aber bald denMilitärdienst und wurde Anführer einer mörderischen und gefähr-lichen Räuberbande. Der König von Persien, Tahmasp, ließ ihmgänzliche Verzeihung angedethen, und erhob ihn nach und nachwegen seiner großen militärischen Talente zum obersten Feldherrnaller persischen Truppen. Bald aber empfand der König die Fol-gen dieses unvorsichtigen Schritts. Denn Nadir, der sich nun aufBefehl des Königs selbst Tahmasp Kuli (Sclav des Tahmasp)mit dem Zusätze des Titels Chan (des größten Ehrentitels, denihm derKönig geben konnte) nannte, hatte das ganze Heer für sich ein-genommen, entthronte seinen Wohlthäter, als dieser ohne ihn mitden Türken Friede geschlossen hatte, bemächtigte sich hierauf imNamen des jungen Prinzen, der noch in der Wiege lag, als dessenBormund, der Regentschaft und ward sogar im I. 173s, nach ei-ner blutigen, aber glücklich wider die Türken gewonnenen Haupt-schlacht, und nachdem sein Mündel gestorben war, zum Könige vo»Persien erwählt. Seit dieser Zeit ward er Schah Nadir ge-nannt. Seine Waffen waren überall siegreich; allein er vergoßzahlreiche Ströme Bluts, ließ einen Haufen Ueberwundener hin-richten und ihre Lander in Einöden verwandeln. Ja er wütheteselbst gegen seine eigenen Unterthanen mit der empörendsten Grau-samkeit. Seine Soldaten waren durch die vielen Kriege und dabeiverübten Plünderungen ausnehmend bereichert worden, und warenihm daher so ergeben, daß es niemand wagen durste, dem blutdür-stigen Tyrannen die Spitze zu bieten. Gelbst der Haß der Geist-lichkeit, der er viele Einkünfte entzogen hatte, vermochte nichttz ge-gen ihn, und alle Pläne, ihn vorn Throne zu stoßen, wurden auchschon bei ihrer Entstehung zu Schanden gemacht. Sein größter,aber auch zugleich abscheulichster Feldzug war derjenige, welchen erim I. 1739 gegen den Großmogul von Hindostan unternahm.Schah Nadir wußte sich theils durch seine überall siegreichenWaffen^ theils durch Berrätherei den Besitz aller Länder desselben zuverschallen, plünderte und brandschatzte, ließ die Hauptstadt Delhreinäschern und über zweihunderttausend Einwohner niederhauen,wobei er noch die Bosheit beging, sich selbst für eine von Gort ge-sandte Strafe der Völker zu erklären. Doch endlich hatte die Stun-de geschlagen, die seinen Lasterthaten ein heilsames Ziel setzen soll-te : im I. 1747 wurde nämlich die Welt von diesem Wütherich be-freit. Es ward nämlich eine Verschwörung gegen ihn gestiftet, anderen Spitze sein Reffe und noch ein anderer Statthalter standen.